03.10.: Lafontaines Medienspektakel
Lafontaines Medienspektakel
Linke Herzschmerzen in konservativer Zeitung offenbart
Seit den Hitlertagebüchern wurde keiner anderen Veröffentlichung so entgegen gefiebert wie Oskar Lafontaines Buch "Mein Herz schlägt links". Lange wurde gerätselt, wie schonungslos Oskar mit seinem Zweckfreund und heutigen Bundeskanzler Gerhard Schröder abrechnen würde. Seit heute - nach den ersten Vorabzeilen in der "Welt am Sonntag" - steht fest, er enthüllt Details, er rechnet schonungslos ab und zeigt die Fehler der Anderen auf.
Eigentlich haben es alle schon gewusst, dass die Männerfreundschaft von zwei derartig machtgeilen Männern nur ein Zweckbündnis auf Zeit sein konnte. Und wieder ist auch bestätigt worden, dass hinter jedem erfolgreichen Mann immer eine kluge Frau steckt. So heißt es in der Vorabveröffentlichung der WamS: "Am späten Abend klingelte das Telefon, und Doris Schröder-Köpf war am Apparat. Sie fragte mich, was los sei. Ihr Mann sei bereits übel gelaunt zu Bett gegangen. Ich erzählte ihr von dem Streit und meiner Absicht, gar nicht erst in die Regierung einzutreten. Dann überließ ich Christa den Hörer. Die Frauen redeten lange miteinander. Gerhard Schröder wurde aus dem Bett geholt und murmelte mir gegenüber eine Entschuldigung". So hat er die Entscheidung, nicht in das Kabinett einzutreten, zurückgenommen und "biss noch einmal die Zähne zusammen".
Immer wieder gab es Querelen um Personalentscheidungen, obwohl im "Ritter Sankt Georg" in Braunschweig besprochen und mit einem Schnaps begossen wurde, diese gemeinsam zu treffen. So sollte ursprünglich Peter Struck, der Mann des diesjährigen Sommertheaters, Chef des Bundeskanzleramtes werden, obwohl Schröder maulend den Struck als "zu viel quatschend" bezeichnete. Geworden ist es dann ja auch ein anderer. Liest man weiter, entdeckt man die prophetischen Weisheiten des Oskar Lafontaine in Bezug auf Bodo Hombach, der sich wohl nur als Ideengeber und Spindoctor sah und die Arbeit dem fleißigen und geräuschlosen Frank Steinmeier aus der niedersächsischen Staatskanzlei überlies.
Der Saubermann Oskar Lafontaine präsentiert sich wahrlich nur als jemand, der alles vorausgesehen hat. Immer haben andere die Fäden gezogen oder ihn arg enttäuscht. Zumindest im vorliegenden Text erkennt man keinen agierenden Politiker, sondern nur einen armen Menschen, der von allen Seiten über den Tisch gezogen wurde. Zwischen den Zeilen kann man herauslesen, dass Oskar [extern] geliebt und verstanden werden möchte. Unweigerlich kommt der Leser zum Urteil, dass der Rücktritt eigentlich nur ein Opfer gewesen sei, um sich selbst zu schützen. Schließlich plagten ihn sogar die Messerattentat-Albträume. Was soll so ein arg gebeutelter Mensch auch machen, keiner verstand ihn, keiner (außer Christa) hatte ihn noch lieb und schließlich hatte ihn - den überzeugten Europäer - sogar die englische Presse ins Zielkreuz genommen. Und letztlich spürte er, dass sein Parteifreund Schröder sich immer mehr von den Wahlversprechen entfernte und er selbst keine Chance sah, sein Saarland durch die Einrichtung einer deutsch-französischen Hochschule oder die ICE-Anbindung zu fördern.
Doch was soll das Buch? Die Spekulationen überschlagen sich. Am lautesten sind die SPD-Genossen, Müntefering vorne weg - von neuen Amtes wegen. Der gleiche Müntefering, der nach den Zeilen aus "Mein Herz schlägt Links" sagte, dass er "nicht mit dem" als Chef des Bundeskanzleramtes zur Verfügung stehe. Einigkeit herrscht, dass hier ein rachsüchtiger, "fahnenflüchtiger" Ex-Minister und Parteivorsitzender mit diesem Buch der SPD schadet. Selbst die schlechten Wahlergebnisse werden dem armen Oskar in die Tasche geschoben, doch für die schlechte Regierungsarbeit kann er nun wirklich nichts mehr. Der Chef hat scheinbar als Zigarrenraucher den Kontakt zur Basis verloren oder hatte ihn gar noch nie - und Lafontaine war der Integrationsherd der SPD? Die Frage will scheinbar nicht einmal Gerhard Schröder beantworten, denn "zu Schriftstellern äußere ich mich nicht!"
Was ist es denn nun? Die Abrechnung eines enttäuschten Mannes, der noch ein wenig Taschengeld für seinen Bauernhof verdienen will, oder sind es die ersten Vorbereitungen für den dritten Versuch, doch noch einmal Kanzler zu werden? Würde Schröder bei der nächsten Bundestagwahl scheitern, stünde Oskar als Phönix aus der Asche wieder einmal der SPD als Retter zur Verfügung. Vorerst machen erst einmal Konservative das Geld mit den linken Schlagzeilen: die "WamS" und [extern] Die Welt. Zur Buchmesse werden wir dann endgültig die 317 Seiten verschlingen können und endlich die Details zur der Tatsache lesen, dass Schröder sich wirklich schlecht verkauft. Aber das hatten wir auch vor den Lafontaine-Enthüllungen gewusst. Wer trotzdem noch auf weitere Ränkespiele gespannt ist und dem Pensionär die magere Rente aufbessern will, kann das Buch ab sofort [extern] vorbestellen und erhält es versandkostenfrei am Erstveröffentlichungstag in den Briefkasten geliefert .