09.08.: Fernsehen für Kinder weiter unter Beschuss
Deutsche Kinderärzte warnen vor der Kinderserie "Teletubbies"
Nachdem amerikanische Ärzte die medienpädagogische Forderung nach einem Fernsehverbot für Kinder unter zwei Jahren aufstellten, warnen nun deutsche Kinderärzte vor der britischen Puppenserie "Teletubbies", die im deutschen Kinderprogramm mit großem Erfolg ausgestrahlt wird. Unter dem Deckmantel des "pädagogisch Wertvollen" würde die Serie die Kinder zu früh an den Fernseher binden.
Bei den Teletubbies handelt es sich um bunte, dickliche Wesen mit einem affenähnlichen Gesicht. Die Figuren stehen immer im Vordergrund, weil auf ihren Bäuchen neue Geschichten eingeblendet werden. Besonders wertvoll ist das Gebrabbele der vier Gestalten mit den Antennen auf den Köpfen jedoch nicht, denn es beschränkt sich meistens auf ein "Eh-oh" oder "Uh-oh". Die 90-teilige Vorschulkinder-Puppenserie wird vom Kinderkanal der ARD und des ZDF zweimal an jedem Werktag ausgestrahlt. Die Serie hat in den letzten Monaten bei den drei- bis fünfjährigen einen Marktanteil von rund 18 Prozent erreicht. Und wie immer, wenn etwas im Kinderfernsehen erfolgreich gesendet wird, finden sich weitere Kinderprodukte in den Verkaufsregalen.
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte macht darauf aufmerksam, dass zunehmend Kinder mit Sprachstörungen, Konzentrationsschwäche sowie Lern- und Kontaktschwierigkeiten in die Sprechstunde gebracht würden. Besonders bei den Kindern, die viel fernsehen würden, seien Verhaltensauffälligkeiten und Rückstände in der geistigen Entwicklung zu beobachten.
Allerdings stützen sich diese Aussagen auf keinerlei wissenschaftliche Untersuchungen. Vielmehr scheint die Kritik an der Kinderserie "Teletubbies" eher exemplarisch herausgegriffen worden zu sein. Wie Kinder Gewalt in lustigen Zeichentrickserien aufnehmen und verarbeiten, zeigt ein Aufsatz von Prof. Aufenanger: Je älter die Kinder werden, desto unrealistischer empfinden sie die Szenen.
Es bleibt also die grundsätzliche Kritik. So stellte zwar Prof. Baacke von der Universität Bielefeld deutlich hervor, "auch schon kleine Kinder sind kompetente Mediennutzer und selbständig in der Auswahl ihrer Themen und der Bestimmung ihres Geschmacks." Allerdings warnt er gleichzeitig davor, "dass Eltern die Kinder vor dem Fernseher absetzen, weil da eine Kuschelwelt gezeigt wird, anstatt sie selbst in den Arm zu nehmen und zu kuscheln." Auch der Jugendforscher Hurrlemann stellt fest: "Viele Eltern drücken sich vor der Verantwortung der Kindererziehung, der Fernseher dient oft als Babysitter."
Die Kritik muss sich also an die Verantwortlichen aller Kindersendungen sowohl bei den Privaten als auch bei den Öffentlich-Rechtlichen richten. Gefordert ist mehr Fantasie bei der Ausgestaltung des so genannten Kinderfernsehens. Nur ein paar kitschige Figuren oder Comics reichen nicht aus, um Kindern die Welt zu erklären. Besonders der Verknüpfung zwischen Fernsehen und Merchandising, also der direkten Vermarktung von Serienprodukten, sollte durch ein Werbeverbot Einhalt geboten werden. Noch dringender als je zuvor muss an die Verantwortung der Eltern appelliert werden, um eine Medienerziehung auch schon in jungen Jahren zu beginnen.