10.10.: Hamburger Lehrer machen Dienst nach Vorsch

Hamburger Lehrer machen Dienst nach Vorschrift
Aktion "Hamburger Schulen gehen vom Netz"
Die Netzadministratoren der Hamburger Schulen sehen sich gezwungen, nur noch die dienstplanmäßige Arbeitszeit für den Aufbau und die Wartung der Netze aufzubringen. Durch entsprechende [extern] Webseiten kündigen sie an, dass die Hamburger Schulen deswegen auf Dauer aus dem Netz aussteigen werden. Ohne den bislang hohen freiwilligen Eigenanteil wäre der Computer- und Internetunterricht in Zukunft nicht mehr gewährleistet.

Es war schon lange absehbar, dass sich die engagierten Lehrkräfte im Projekt [extern] Schulen ans Netz irgendwann überfordert fühlen würden. Überall musste die Infrastruktur der Computerräume, der internen Netzwerke und der damit verbundene Zugang zum Internet erst einmal geschaffen werden. Mit viel persönlichem Aufwand haben sich die Lehrer fortgebildet und oft nur durch die engagierte und ehrenamtliche Mithilfe von Schülern die Voraussetzungen für den strukturellen Aufbau geleistet. Oft übernahmen genau dieselben Kollegen auch noch die Fort- und Weiterbildung in der eigenen Schule. Doch auch der kontinuierliche Betrieb erfordert immer einen stetigen Aufwand, der mit den zugestandenen Entlastungsstunden für die verantwortlichen Lehrkräfte immer weniger zu bewältigen war.

Da sich die hamburgische Bürgerschaft weigert, die hohe Arbeitsbelastung für die bislang an den Hamburger Schulen tätigen Netzwerkadministratoren anzuerkennen und die Mehrarbeit durch entsprechende Entlastungsstunden auszugleichen, wurde die "Aktion Black Screen" ins Leben gerufen. Da auch in Zukunft die personelle Betreuung des inzwischen 32-Millionen-Projekts durch entsprechende personelle Unterstützung nicht zu erwarten ist, will man vorerst nur noch "Dienst nach Vorschrift" machen. So heißt es in einem von drei [extern] Informations-Screens: "Wir können daher nicht mehr garantieren, dass die Netze und die Arbeitsrechner in den Schulen zu jeder Zeit funktionsfähig sein werden. Unterrichtsausfälle sind daher in zunehmendem Maße möglich".

Für den Zeitraum ab dem 20.September 1999 werden die Netzwerkbetreuerinnen und -betreuer nur noch genau so viel Arbeitszeit für die technisch-organisatorische Betreuung des Computer-Netzwerkes bzw. der Computer-Netzwerke an ihren Schulen und für die technische, organisatorische, pädagogische und fachliche Beratung ihrer Kolleginnen und Kollegen aufwenden, wie ihnen durch Unterrichtsentlastung für diese Tätigkeiten zur Verfügung stehen, werden bestehende Netzwerke nicht mehr fortentwickelt, wird keine Unterstützung mehr bei der Installation neuer Programme bzw. bei der Beseitigung dabei entstehender Folgeprobleme geleistet, werden Tätigkeiten im Rahmen der Implementierung des 32-Millionen-Projektes nur im zeitlichen Umfang der dafür zur Verfügung gestellten Anrechnungsstunden geleistet, werden die Internetseiten der Hamburger Schulen nicht mehr betreut. (Motto: "Hamburger Schulen gehen vom Netz")

Je stärker die Strukturen in den einzelnen Schulen wachsen und eine Vernetzung auch auf lokaler Ebene stattfindet, indem beispielsweise eigene Webserver aufgebaut und betrieben werden, umso vielschichtiger sind die Aufgaben für das bisherige Lehrpersonal. Vielleicht haben sie sich in ihren Ansprüchen auch ein bisschen vergaloppiert und wächst ihnen dadurch inzwischen die Arbeit über den Kopf. Richtig ist allerdings dann schon die Forderung, jetzt Arbeiten an Fachleute zu übertragen, damit sie ihren eigentlichen Aufgaben wieder nachgehen können. Schließlich handelt es sich um Lehrer, die als Hauptaufgabe nun einmal das Unterrichten von Schülern haben und nicht das Herumschrauben in Computergehäusen oder das Ausprobieren unzähliger Einstellmaßnahmen in der jeweiligen Software. Einige Schulen in Niedersachsen haben schon die Konsequenzen gezogen und setzen jetzt Schulassistenten mit einer Informatikausbildung ein. So wird zum Beispiel demnächst an einer Göttinger Schule sogar ein Sozialpädagoge mit entsprechender Informatikqualifikation eingestellt.
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Eine Stundenentlastung des EDV-Lehrers darf nicht langfristig zu Lasten der Unterrichtsversorgung der Schüler fallen. Hieß es nicht immer schon: "Schuster bleib bei deinen Leisten"?