17.07.: Kinderpornographische Banner
Wie Kinder zur Werbung von Pornographie mißbraucht werden
Mehr oder weniger eindeutig umwerben immer mehr Pornoanbieter in Linklisten mit Umschreibungen, die darauf schließen lassen, daß sich hinter dieser URL kinderpornographisches Material verbirgt. Entweder wird direkt auf "Lolitas" Bezug genommen oder noch unverblümter mit "pre-teens" geworben. Manchmal finden sich auch ganz unmißverständliche Beschreibungen wie "illegal Lolita", "incest" oder noch klarer "childporn".
Auch wenn sich die Seiten mit kinderpornographischen Inhalten nicht so offensichtlich im WWW zeigen, werden durch entsprechende Kennzeichnungen der Linklisten und Banner entsprechend eindeutige Begehrlichkeiten geweckt. Auf den ersten Blick sonderbare Zeichengebungen wie "*3-11*" oder Umschreibungen wie "TeenGirls" sollen die Pornointeressenten auf die Seiten locken. Oft springen gleich mehrere Fenster auf und werben für die unterschiedlichsten Pornographieprodukte. Manchmal sind solche Links auch nur Sprungadressen zu weiteren Linklisten. Scheinbar verdienen sich manche Internetanbieter durch solche Verknüpfungen die Werbeprämien.
Pervers ist die Tatsache, daß manche Anbieter absolut hemmungslos mit entsprechenden Tabuthemen Aufmerksamkeit erwecken wollen. So wird mit "Innocence", "Mother & Daughters [...]" oder der Frage "Too young to be fucked" geworben. Kein Thema wird ausgespart, selbst Gewaltfotos oder -videos sind per Link anklickbar. Besonders Inzestbereiche werden mit Schlagzeilen wie "Father fucked his youngest Daughter", "11-14 of Mom 2 teen twin Daughters Masturbation" oder "Bad Mother fucking her 2 Sons" umschrieben. Selbst vor Sodomie wird nicht zurückgeschreckt.
Abgesehen von der Tatsache, daß sich hinter solchen deftigen Schlagzeilen häufig Fake-Seiten verbergen und nur zur nächsten Linkliste verzweigen, wird zumindest Neugierde auf kinderpornographische Produkte erweckt. Menschen, die ihre pädophile Neigung vielleicht noch nicht entdeckt oder ausgelebt haben, werden verstärkt mit Wunschbildern konfrontiert.
Landet man nicht in einer Linkliste, wird zu einem "normalen" Pornoanbieter verzweigt. Hier finden sich zwar alle Spielarten der Pornographie und auch die Demobilder verbergen kaum etwas, aber Kinderpornographie ist in der Regel nicht zu entdecken. Zumindest wird in den offenen, noch nicht kostenpflichtigen Bereichen nicht dafür geworben. Manchmal taucht sogar der Hinweis auf, daß alle Modelle mindestens 18 Jahre alt seien oder sich der Betreiber der Anti-Kinderpornographie-Kampagne angeschlossen habe.
Was kann man tun?
Zum Kampf gegen Kinderpornographie ist der Verein Anti-Kinderpornographie angetreten. Sehr engagiert zeigt sich der Vorsitzende Udo Blumenthal, denn er stellt sich u.a. der öffentlichen Diskussion in Foren. Dabei muß er sich allerhand bieten lassen, denn nicht immer verstehen Menschen, warum bestimmte Themen und Bilder separiert werden sollen. Sie fühlen sich in ihren Rechten der Meinungsfreiheit beschnitten, obwohl eigentlich doch alle für Kinder- und Jugendschutz sind.
Der Verein durchforstet regelmäßig Onlineforen und mahnt die Betreiber ab, wenn sich pornographische Inhalte finden. So wird der Betreiber auf die Rechtslage hingewiesen, daß er sich der Verbreitung von Pornographie strafbar macht, wenn zum Beispiel kein Adultcheck eingerichtet würde.
Zwar verweist der Verein auch auf die Möglichkeit, nur noch moderierte Bereiche anzubieten, aber dieser Aufwand, jeden Beitrag vor Veröffentlichung gegenzulesen, überfordert in der Regel die Betreiber. Aber auch die selbsternannten Pornowächter stehen auf wackligem rechtlichen Boden, denn der bloße Besitz von Kinderpornographie steht unter Strafe. Dieses bekam auch schon der Vorsitzende persönlich zu spüren, als er der Kriminalpolizei entsprechende Unterlagen übergab. Der Staatsanwalt mußte von Amts wegen ein Strafverfahren einleiten, das allerdings später eingestellt wurde. Aufgrund dieses Vorfalls wurde jetzt eine Anfrage an den Bundeskanzler gestartet, um auf diese mißliche Rechtssituation aufmerksam zu machen. Eine direkte Antwort steht noch aus, weil der Brief erst an das Justizministerium weitergeleitet wurde.
Interview mit Udo Blumenthal vom Verein "Anti-Kinderpornographie"
Wie lange gibt es schon den Verein "Anti-Kinderpornographie"?
Udo Blumenthal: Die Organisation Anti-Kinderporno existiert seit dreieinhalb Jahren. Der Verein ist notariell angemeldet und wartet zur Zeit auf die Registrierung beim Registergericht.
Aus welchen Beweggründen haben Sie den Verein gegründet?
Udo Blumenthal: Ich habe vor dreieinhalb Jahren mit Freunden ein Providersystem aufgebaut und administriert. Dabei bin ich in den News-Gruppen auf unzählige KiPo-Beiträge und Bilder gestoßen. Ein User, der große Mengen KiPo-Material ins Netz postete und CD´s mit 7500 Bildern verkaufte, konnte namentlich ermittelt und den Behörden gemeldet werden (Der Fall John F. G.). Seither habe ich einen guten Kontakt zu den Schweizer Behörden. Dazu kommt, daß meine Lebensgefährtin, ein weiteres Mitglied und ich "Überlebende" sind: Menschen, die in ihrer Kindheit selber zu Opfern wurden.
Sie durchforsten Onlineforen nach pornographischen Aktivitäten und mahnen die Betreiber öffentlich ab. Wie nehmen die Betreiber Ihre Abmahnung auf?
Udo Blumenthal: Das ist nicht ganz richtig. Häufig bekommen wir Mails, mit denen uns Beiträge, Links usw. geschickt werden. Diese werden in der Regel an die Behörden weitergeleitet. Allerdings fiel uns auf, daß in den letzten Monaten verstärkt Foren mit Extrem-Sex etc. gemeldet wurden. Erst haben wir stichprobenartig die Foren besucht. Dann sind es so viele gewesen, daß wir uns zum Handeln entschlossen. Wir wiesen den Betreiber darauf hin, daß Hardcore (auch als Text oder Bild) für Kinder und Jugendliche nicht frei zugänglich sein darf. Der Adultcheck fehlte gänzlich. Es war weniger eine Aktion gegen Kinderpornographie, als mehr ein Hinweis auf einen Verstoß gegen das Jugendschutzgesetz und den §184 StGB.
Weiterhin verlangen Sie, daß die Betreiber geeignete Schutzmaßnahmen ergreifen, die sicherstellen sollen, daß Minderjährige keinen Zugriff mehr erhalten. Glauben Sie wirklich, daß solche Adult-Checks ausreichen?
Udo Blumenthal: Tatsache ist, daß die Kinder (teilweise ab 13 Jahren) ohne Schutz ungehindert auf diese Foren gelangen konnten. Ob sie es wollten oder nicht. Ein einfaches Vertippen in der Foren-Nr. reichte aus, um statt auf einem Fahrradtreff-Forum auf einem Forum über Bondage o.ä. zu landen. Uns ist auch klar, daß Jugendliche durchaus in der Lage sind, sich Fake-Accounts für Adult-Checks zu verschaffen. Aber mit unserer Aktion ist die Masse der möglichen Jugend-/Kinderbesucher eingeschränkt worden. Dieses Vorgehen basiert auch auf der Tatsache, daß gerade durch die Aktion Schule-ans-Netz immer mehr Kinder und Jugendliche diese Foren besuchen können.
Warum wollen Sie die Verfolgung von Straftaten nicht den Behörden überlassen?
Udo Blumenthal: Wir haben diese Tatsachen auch an die Behörden gemeldet (LKA-Baden-Württemberg). Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen. Leider ist diese Zusammenarbeit mit ausländischen Behörden besser als mit deutschen Behörden. Die Behörden sind sowohl technisch, personell sowie von der Ausbildung her kaum in der Lage, allen Hinweisen nachzugehen.
Ihnen wird von Kritikern vorgeworfen, daß es sich in erster Linie um eine Privatinitiative handelt. Wann wird der Verein gegründet?
Udo Blumenthal: Geschossen haben viele, ohne das Recht zu lesen. Ein Verein in Gründung (Vor-Verein) hat dieselben Rechte und Pflichten wie ein eingetragener Verein. Aber das ist völlig unerheblich, da gerade das Thema Kinderpornographie so ziemlich genau das unbequemste Thema in der Gesellschaft ist, was man sich denken kann. Es spielt auch (rechtlich) keine Rolle, von wem die Anzeige gemacht wird. Zusammenarbeit mit anderen Initiativen (wie z.B. die von Ihrem Verlag) ist kaum möglich, da alle ihr eigenes Konzept verfolgen. Wir sind die erste Initiative, die auch öffentlich gegen diese Mißstände vorgeht. Taten, statt schöne Worte/Webseiten. Und die User haben Angst um Ihre "Freiheit" im Internet. Diese "Freiheit" gibt es nicht wirklich. Sie wissen ja, daß JEDER User zu ermitteln ist, daß es Regeln gibt, aber kaum einer kennt die Regeln, kaum einer weiß, daß er NICHT anonym ist.
Es ist nicht unsere Hauptaufgabe, Forenbesitzer anzugreifen, User zu ermitteln (was wir auch nicht dürfen) oder gar Internetpolizei zu spielen. Unsere Aufgaben sind: Aufklärung, Unterstützung der Behörden und Vermittlung von Opfern an die entsprechenden Stellen.
Was können Sie tun?
Melden Sie sofort Seiten oder Angebote mit kinderpornographischen Inhalten. Machen Sie einen Ausdruck von den Inhalten und übergeben das Material an die Polizei oder die Staatsanwaltschaft. Falls Sie lieber anonym bleiben wollen, melden Sie die Site z.B. bei der Aktion Netz gegen Kinderporno. Weisen Sie Forumsbetreiber darauf hin, daß pornographische Inhalte in Schrift oder Bild vorhanden sind. Selbstkontrolle durch Kennzeichnung oder Adultchecksysteme sind besser als Strafanzeigen. Installieren Sie Schutzprogramme, sofern Kinder oder Jugendliche mit dem Computer im Internet surfen können. Netscape und der Internet Explorer bieten ein eingebautes Filtersystem an.
Die Freiheit des Einzelnen hört immer dann auf, wenn die Freiheit von anderen beeinträchtigt ist. Bedenken Sie, daß eigentlich auch Sie mißbraucht werden. Unterstützen Sie Vereine wie z.B. Anti-Kinderpornographie.