17.09.: Smarter Kundenkreis

Die smart-Fangemeinde im Internet
Kaum ein Auto bewegt die Gemüter so wie der smart. Entweder mag man ihn oder man lehnt ihn entsetzt ab - zunächst zumindest. Allein deshalb ist der Wagen ein Liebhaberfahrzeug mit Ambitionen, der irgendwann einmal ein Kultauto zu werden verspricht. Fröhlich zugelächelt wird fast jedem smart-Fahrer, Kinder freuen sich ganz besonders. Nach anfänglich schwachen Absatzzahlen und damit verbundenen Mercedes-Vorstandssitzungen wurde noch einmal auf der IAA verkündet, dass der smart weitergebaut werde. Diese gespannte Haltung und das ewige Totsagen schweißen anscheinend zusammen, denn seit einiger Zeit gibt es einen [extern] smart-club im Internet. Hier findet der smart-Fahrer immer die neusten Infos und kann sich mit Gleichgesinnten im Forum austauschen.



Denkt man an andere Clubs, hat man spontan die Manta-Freaks oder die Golf-GTI-Fahrer im Auge. Diese fallen bei ihren Treffen auch in ganz besonderer Weise auf: ganze Reifensätze werden als flüssiges Gummi auf dem Asphalt verstrichen. Dabei scheinen Mantas und GTIs unfertige Autos zu sein oder warum sonst werden gerade diese Fahrzeuge auf Teufel komm raus getunt? Eine Soundanlage füllt den ganzen Kofferraum aus und ist kaum unter 1.000 Watt zu haben. Ein lustiges Völkchen also, denn Fahrer und Autos hört man schon von ganz weitem.

Gänzlich anders präsentiert sich die Fan-Gemeinde des smart, dem einzigen Zweisitzer mit Minikofferraum. Wenn sich die Fahrer treffen, dann wird die [extern] smart-Parade gleich ins [extern] Guinness-Buch der Rekorde eingetragen. Der smart-club-Deutschland versteht sich mit seinen Mitgliedern nur als loser Zusammenschluss, mit dem Ziel, das Fahren mit dem kleinen Cityflitzer noch interessanter zu machen. Zwar geht es im Forum auch um Chip-Tuning, so dass aus den 599 cm³ dann auch [extern] 78 PS rauszuholen sind und die eigentliche Geschwindigkeitsbegrenzung von 135 km/h auf 160 km/h hochgeschraubt wird. Breite Reifen gibt es mit den obligatorischen Aluminiumfelgen, und ganz Verwegene überlegen gar, wie man das Glasdach doch durch ein [extern] Faltdach ersetzen kann.

Trotzdem mag es der Fahrer des smarten Fortbewegungsmittels eher bedächtig: "Ein Auto ist ein Auto und so soll es auch bleiben!" Man liebt den kleinen Wendekreis und das hundertprozentig funktionierende Einparken, denn für die Zweimeterfünfzig ist auch die Parklücke geeignet, die andere Autofahrer nicht mal ins Visier nehmen. Mit 4,9 l pro 100 km ist er zurzeit der sparsamste Benziner und damit kann man trotz des 22 l Tanks erst einmal eine ganz schöne Strecke fahren. Besonders stolz konnte man kürzlich lesen, dass bei einem [extern] Crash-Test zwischen smart und Mercedes-S der Fahrer trotz weghüpfendem und umgekippten smart mit nur geringen Blessuren davon gekommen wäre.

Eigentlich war der smart für eine junge dynamische Zielgruppe gedacht, doch nun stellt sich heraus, dass der typische smart-Fahrer im Durchschnitt 44 Jahre alt ist. Vielleicht ein strategischer Grund, warum nun der smart-Vorstand [extern] Brorsen vom Posten abgelöst wurde. Aber vielleicht ist es auch nur die Konsequenz auf die [extern] erste Pleite von zwei smart-Centern in Berlin und Potsdam. Nun gibt es nur noch 42 Center, in denen man den Wagen kaufen und warten lassen kann. Ein Grund mehr, sich als Fahrer mit der Crew gut zu stellen, denn sonst kann man gleich ein paar hundert Kilometer weiterfahren. Dies mag auch noch ein Grund für den Gedankenaustausch im Internet sein, schließlich gibt es die Werkstatt und gleich gesinnte Fahrer nicht unbedingt um die Ecke. Es kam auch schon der Vorschlag, einen Gruß ähnlich wie bei den Motorradfahrern einzuführen.

Auf negative Schlagzeilen rund um den smart reagieren die Forumsmitglieder äußerst empfindlich. Als in einem Kommentar der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung die Meinung vertreten wurde, dass man die Produktion besser einstellen solle, polterten Forumsmitglieder mit ebenso unsachlichen Argumenten zurück. Man möchte Berichte über den Kleinen nur mit positiven Akzenten lesen. Klar, sonst gibt es den Mini-Mercedes irgendwann nicht mehr. Auch diese kleine Glosse - eines smart-Fahrers - wird sicherlich sauer aufstoßen, aber nur zur uneingeschränkten Euphorie ist der smart wirklich nicht geeignet, wie auch die Sparte der Verbesserungsvorschläge im Club beweist. Vieles hört sich nach ewigen Nörglern an, aber manches erinnert doch an massive Sparmaßnahmen in den Autokonzernen. So gibt es keine Aschenbecherbeleuchtung, die Beifahrerscheibe kann man nicht elektrisch von der Fahrerseite schließen, das Licht geht beim Kofferraumöffnen zu schnell aus, Scheibenwasser löst keine Wischautomatik aus, der Innenraum-Kunststoff ist zu kratzempfindlich, die Heckklappe müsste durch einen Teppich geschützt sein, die Schaltpausen bei der Automatik sind zu lang, das Fahrwerk ist einfach zu hart und natürlich könnte der Klang des Radios deutlich verbessert werden. Anfänglich wurde auch prompt reagiert und der rechte Außenspiegel oder der Griff für den Beifahrer nachgerüstet, aber inzwischen gibt es kaum noch sichtbare Detailverbesserungen. Dabei wird es wohl trotz wachsender Zulassungszahlen bleiben. Denn vorerst wird man kein weiteres Geld für die Verbesserung des smart ausgeben, dieser muss erst einmal sein Geld für Mercedes verdienen.

Verbraucherinformationen
So lange hilft sich die kleine smart-Gemeinde erst einmal selbst weiter. In der festen Rubrik [extern] Wie geht das? finden sich Hinweise zur Steckerbelegung des Autoradios oder der Tipp, wie man am besten am Berg parkt. Manche große Zeitschrift hat auch schon über den Kleinen hergezogen und selbst das Forum und deren Beiträge fanden sich unter der Überschrift [extern] Elektronisches Geschnatter wieder. Aber gerade hier beginnt sich ein neuer Kundentyp zu etablieren. Vielleicht wird es bald einen hauptberuflichen Internet-Betreuer der Autohäuser geben, der sich speziell dem per Internet vernetzten Kunden widmet. Denn ähnliche Foren gibt es auch für den [extern] Beetle oder den [extern] Audi TT.

Während sich sonst die Fahrer eher zufällig nach der Wartung an der Kasse des jeweiligen Autohauses trafen, tauschen sich über 1.100 smart-Fahrer nun Online aus. Hier werden jegliche Informationen weitergegeben, zum Beispiel wenn die neue Software "Trust plus" aufgespielt wird oder ein Gaspedal gewechselt wird. Solche Informationen erhält der "normale" Kunde sonst nicht, es sei denn, das Mutterunternehmen ist zu einer allgemeinen Umrüstung genötigt. Im Forum wird alles sofort mitgeteilt und umfassend analysiert, sowie fast zeitgleich im jeweiligen smart-Center nachgefragt bzw. hinterfragt. Scheinbar beteiligen sich im Forum auch einige Händler bzw. Werkstattmeister, so dass die Infos auch gleich relativiert werden.

Noch versteht sich der smart-club nicht als Mittler zwischen Hersteller und Verbraucher, aber wenn man sich die Forumsbeiträge anschaut, dann ist diese Entwicklung vorauszusehen. Bei 65.000 verkauften Fahrzeugen eine Mitgliederschaft von 1.100 eingetragenen Fahrern zu haben, dürfte schon ein Potential bilden, um mit der Firmenleitung ernsthafte Verhandlungen führen zu können. Im gemeinsam geführten Dialog und Austausch im Internet-Forum zeigt sich in Zukunft eine innovative Autofirma.