20.07.: Nach Aldidente nun Lernen mit Aldi

Lernsoftware bei Aldi

Aldi mausert sich zum ernstzunehmenden Hard- und Softwarehandel. Besonders bei der Hardware gilt die Devise für den Kunden, wer zu erst kommt, mahlt zuerst. Ab dem 21. Juli 99 will Aldi nun den Nachhilfemarkt neu aufmischen und man kann erwarten, daß auch die angebotenen Programme schnell vergriffen sind.

Laut Pressemeldung erhalten 30 Prozent aller Schüler an allgemeinbildenden Schulen kommerzielle Nachhilfe. Dazu wenden Eltern pro Jahr ca. 1,8 Milliarden Mark auf. Aldi will den Eltern mit Lernpaketen helfen, diese Kosten durch Billigangebote zu reduzieren.

Computerhändler Aldi
Die bislang angebotene Hardware löste gemischte Gefühle aus. Auf der einen Seite war es eine Sensation, daß der Discounter Aldi überhaupt Computer verkaufte, andererseits waren die kleinen Fachhändler verschnupft, weil sie einen gleichwertig ausgestatteten Computer zu einem ähnlichen Preis anboten. Aldi hatte allerdings den Anzeigen-Werbevorteil auf seiner Seite. Diverse Zeitschriften u.a. auch c´t nahmen das PC-Paket gleich unter die Lupe und kamen oft zum Fazit, daß nicht alle Komponenten optimal aufeinander abgestimmt waren. Das einhellige Urteil war aber, daß man im Prinzip nichts auszusetzen habe, nur daß der Kunde in der Regel im Fachhandel eine schnellere und möglicherweise direkte, kompetente Hilfe bei Problemen finden würde.

Lernprogramm-Zweitvermarktung durch Aldi
Nach einer Verkaufsaktion mit Computerspielen wird nun ab Mittwoch Lernsoftware zum Schnäppchenpreis angeboten. Bereits im Februar dieses Jahres startete Aldi eine im kleineren Rahmen durchgeführte Verkaufsaktion. Die Lernsoftware war binnen Stunden ausverkauft.

Nach vorliegenden Informationen basiert die nun angebotene Software auf Programmen aus demBHV-Verlag und dem Schulbuchverlag Schroedel. Das Aldi-Lernpaket wurde vom Tandem-Verlag geschnürt, der vorab leider keine Besprechungsexemplare zur Verfügung stellte. Man kann davon ausgehen, daß es sich bei allen Programmen um eine Zweit-, wenn nicht sogar um eine Drittvermarktung handelt. Nur so kommt man auch auf den günstigen Lernpaketpreis von 9,98 DM bzw. 12,98 DM. Aktuelle Vollversionen sind nicht nur wesentlich teurer, sondern bieten inzwischen deutlich verbesserte Lernwelten.
Sowie die Lernpakete käuflich zu erwerben sind, werden wir die angebotenen Programme hier in Telepolis analysieren und fachgerecht bewerten.

Üben bringt nicht immer einen Lernerfolg
Die Verkaufsaktion ist gut getimt, denn in vielen Bundesländern sind schon Sommerferien, in manchen gehen sie bald dem Ende entgegen und das neue Schuljahr beginnt. Verknüpft mit der Werbeaussage, die Nachhilfekosten der Eltern zu senken, wird suggeriert, man könne die Kinder bei Lerndefiziten mit dem erworbenen Lernprogramm schon mal in den Ferien auf das neue Schuljahr vorbereiten. Anerkannte Pädagogen vertreten allerdings die Auffassung, daß durch das Arbeiten am Computer nicht zwangsläufig bessere Lernergebnisse erwartet werden können. Allerdings motiviert das Lernen am Computer manche Kinder, sich noch einmal mit dem Lernstoff auseinanderzusetzen. In erster Linie handelt sich bei fast allen Lernangeboten für den

Computer auch nur um Übungsprogramme.
Virtuelles Lernen am PC kann einen gezielten und vor allem professionellen Nachhilfeunterricht nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Aber auch bei den Nachhilfeinstituten ist zur Vorsicht geraten, denn hier wird oft ein unrealistischer Notensprung versprochen. Wichtig ist, die Ursache für das Lernversagen durch ein Gespräch mit dem Lehrpersonal oder dem Schulpsychologen näher zu erkunden. Besonders im Bereich der Lese- und Rechtschreibschwäche sowie der Dyskalkulie kann ein verstärkter Leistungsdruck durch weitere Übungsmaßnahmen zu lang anhaltenden schulischen und Verhaltensstörungen führen.
Zum Wortspiel im Titel: Aldidente