20.09.: Auf dem Weg zur Uniformität
Verbot von Springerstiefeln und TarnanzŸgen
In Ostfriesland hat eine Schule das Tragen von Springerschuhen und TarnanzŸgen auf dem SchulgelŠnde verboten. Hilflose PŠdagogen greifen zu einer zweifelhaften Vereinbarung. Gibt es bald Schuluniformen?
Die Untersagung sei als Beitrag zur gewaltfreien Erziehung gedacht. "Die Kleidung kann Ausdruck einer gewaltorientierten Einstellung sein", sagte der didaktische Leiter der Kooperativen Gesamtsschule Ihlow. Diese Kleidung diene hŠufig auch der nicht offenen AusŸbung von Gewalt und dem damit verbundenen aggressiven Verhalten. Die Verbotsma€nahme wurde von der schuleigenen Arbeitgruppe "Umgang miteinander" in der Schulordnung verankert. Getragen wird der Beschluss von den gewŠhlten Vertretern von SchŸlern und Eltern.
Erstaunlicherweise wurde diese neue Schulverordnung erstellt, obwohl es an der Schule bislang noch nicht zu einschlŠgigen VorfŠllen gekommen ist. Lediglich jŸngere SchŸler wŸrden sich durch das "machohafte" Verhalten von Šlteren SchŸlern eingeschŸchtert fŸhlen. Hier soll wohl auch militŠrische Kleidung eine Rolle gespielt haben. Um weitere AuswŸchse von vornherein zu begrenzen, will man mit der neuen Kleiderordnung ein Zeichen setzen. Nun soll die neue Verordnung in allen Klassen besprochen werden und am Ende des Jahres wird Bilanz gezogen. Wenn sich Eltern quer legen sollten, will man allerdings den Gang zum Gericht vermeiden.
Irgendwie erinnert das an Passau, wo in den 80er-Jahren einer SchŸlerin das Tragen eines "Anti-AKW-Abzeichens" verboten wurde. Eine derartige Entscheidung liegt aber schlie€lich voll im niedersŠchsischen Trend, denn dort wurde jŸngst einer moslemischen Lehrerin mit Kopftuch die Einstellung verweigert.
Besonders die Kleidung gehšrt zu den individuellen Stilmitteln von Jugendlichen. HŠufig ist das Tragen von "Military-Dress" nicht unbedingt auch ein Ausdruck ihrer Gewaltgesinnung oder neofaschistischer Tendenzen. Sehr oft ist es eher eine Protesthaltung gegen die vielen MarkentrŠger und wird als zweckmŠ€ige und praktische Kleidung angesehen. Kleidung als Ausdruck einer Gesinnung zu betrachten, kann sich auch umkehren. Vielleicht gilt der MarkentrŠger als zielstrebig und durchsetzungsfŠhig, aber solche Tugenden weisen ihn gleichzeitig als nicht unbedingt teamfŠhig aus. Was kommt als NŠchstes? Werden Piercings oder christliche Kreuze verboten? Lšst die "Kevin-Klein-Unterhose" zum StŸckpreis von 46,- DM nicht auch Neid und Begehrlichkeiten aus und kann zur KriminalitŠt fŸhren? Eine Parallele findet sich bei den Computerspielen, auch hier mšchte man jegliche Form der Gewaltdarstellung zensieren. Kaum jemand stellt sich der Auseinandersetzung, was denn nun eigentlich die JugendgefŠhrdung ausmacht. Es ist vielmehr ein pŠdagogisches Versagen, wenn man gleich etwas verbietet.