24.10.: Chancen und Risiken des Internets für die

Chancen und Risiken des Internets für die Soziale Arbeit
Online-Umfrage der Universität Münster
Experten aus dem Berufsfeld der Sozialen Arbeit sind seit dem 1. Oktober 1999 aufgerufen, sich an der [extern] Online-Befragung der Universität Münster am Fachbereich Erziehungswissenschaften und Sozialwissenschaften zu beteiligen. Auswerten möchte man die Praxiserfahrung zu den Auswirkungen und Einsatzmöglichkeiten des Internets, um eine kritische Reflexion von Arbeitsfeldern der Sozialen Arbeit zu eröffnen. Ziel der Untersuchung ist es, die Folgen in der Konzeption und der Entwicklung des Berufsfeldes herauszuarbeiten.

Soziale Arbeit und Computer galt in den 80er und selbst noch in den 90er-Jahren als Widerspruch. Die idealtypische Sichtweise der Studierenden und Berufstätigen stellten die Hilfe des Menschen in den Vordergrund und diese Beziehung sollte durch keine Maschine gestört werden. Zudem wurde der Computer als Bedrohung von zwischenmenschlichen Beziehungen und im Rahmen der gesellschaftlichen Folgeabschätzung als Arbeitsplatzzerstörer angesehen. An der Definition von Sozialarbeit hat sich bis heute nichts geändert, aber der Einsatz des Computers wird eher pragmatisch diskutiert. In erster Linie wird der Computer im beruflichen Alltag und im Studium als bessere Schreibmaschine eingesetzt. Nur selten wird er zu Hause auch für andere Tätigkeiten wie Tabellenkalkulation, als Datenbank oder zum Spielen genutzt.

Inzwischen wird im Bereich der Sozialen Arbeit in vielfältigster Form Software angewendet: Allgemeine Sozialberatung, Altenhilfe (stationär und teilstationär), Alten- und Krankenpflege (ambulant), Behindertenhilfe, Betreuung nach dem Betreuungsgesetz, Controlling, Management-Informationssysteme, Finanzbuchhaltung, Spendenverwaltung, Hilfe zur Arbeit/Arbeit statt Sozialhilfe, Kinder- und Jugendhilfe, Kindertagesstätten, Kur- und Erholungseinrichtungen, Öffentliche Sozialverwaltung (Jugend- u. Sozialamt), Personalwirtschaft, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, Psychotherapie, Schuldnerberatung, System- und Standardsoftware, Suchtkrankenhilfe, Rettungs- und Fahrdienste und Wohnungslosenhilfe.

Längst sitzen nicht immer ausgebildete Sozialpädagogen an diesen Programmen, oft sind es Verwaltungsfachkräfte, aber die Dipl.SozPäds müssen als Schlüsselqualifikation schon oft die Bereitschaft mitbringen, Eingaben und Auswertungen am Computer vorzunehmen. Auch innerhalb des Studiums stehen den angehenden Diplom-Sozialpädagogen schon diverse Hilfen im Internet zur Verfügung: [extern] Literaturdatenbanken, Beratungssysteme wie [extern] Solex im Sozialleistungsrecht aus dem [extern] Walhalla-Verlag und sogar Recherchemöglichkeiten von relevanten [extern] Gesetzestexten.

Auch im Bereich der Datenfernübertragung wurde die Vernetzung von Sozialpädagogen insbesondere durch das Daten- und Informationssystem (DISA) vom Fachbereich Sozialwesen der FH-Hildesheim vorrangetrieben. Im Vordergrund stand der Austausch von privaten und öffentlichen Nachrichten, von Fach-Informationen und das Knüpfen von internationalen Kontakten. Dazu schloss sich die DISA auch der [extern] association for progressive communications an.

Durch das Internet und insbesondere das Web wurden von Sozialpädagogen die vielfältigsten Angebote eingerichtet und mühevoll betreut. Besonders [extern] Prof. Stahlmann von der FH-Fulda versuchte einen Lotsen [extern] Sozialwesen und Internet aufzubauen und zu pflegen. Durch fortlaufende Veränderungsprozesse und Neuadressierungen im Web konnte er seinen kleinen Lotsen aber nicht mehr aktualisieren. Zur Zeit wird ein neuer [extern] Software-Guide geschaffen. Außerdem gibt es [extern] Mailinglisten für Sozialarbeiter, um einen regen Gedankenaustausch zu ermöglichen.

Inzwischen findet man schon die ersten Projekte, die als Sozialarbeit im Internet zu definieren sind. So gibt es offene Beratungssysteme wie zum Beispiel die Beratungsstelle der [extern] Berliner Aidshilfe oder den Kummerkasten für Jugendliche [extern] ProKuSo ("Probleme, Kummer, Sorgen?") aus Coburg, der allerdings keine festen Online-Chatzeiten hat. Damit werden niedrigschwellige Angebote geschaffen, weil die Anonymität durch das Internet gewahrt bleibt.

Eine umfangreiche [extern] Linksammlung zur Jugend- und Sozialarbeit bietet der hannoversche Soz.Päd. Jörg Rutzen an. Er betreut auch das Internet Cafe [extern] Juica im Ev. Jugendzentrum in Hannover-Linden.

Am 4. und 5. November 1999 findet im Messe- und Kongresszentrum Nürnberg eine Fachmesse und Kongress für den Sozialmarkt unter dem Titel [extern] CONSozial statt.

Bei dieser Angebotsfülle von Projekten im Internet verwundert es nicht, dass immer mehr Fachhochschulen Einführungskurse in die Nutzung des Internet anbieten. Der Online-Fragebogen will untersuchen, wie weit die Akzeptanz des Mediums gediehen ist und ob das Internet eine größere Bedeutung für die Soziale Arbeit haben wird. Letztlich steht die Frage im Raum, wie man das Internet und den Computer auch als Schnittstelle zur Hilfe am Menschen einsetzen kann.