29.11.: Virtuelle Flugschule
Virtuelle Flugschule
Flugscheinvorbereitung für die Privatpilotenlizenz durch Tele-Learning
Alle Ängste, alle Sorgen, sagt man, blieben darunter verborgen, und dann würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein, so umschreibt Reinhard Mey das Fliegen. Doch vor dem Entgegenfliegen von Träumen steht erst die Privatpilotenlizenz in Theorie und Praxis. Angehende Flieger erhalten jetzt per Internet die Möglichkeit, sich ihrem Traum zu nähern und können sich für den Flugschein auf den komplexen Teil der Theorie online vorbereiten.
Dank einer Multimedia-CD-ROM und dem Zugriff zur virtuellen Gemeinschaft eines Internetangebotes kann man seiner Sehnsucht näher kommen. Die zukünftigen Privatpiloten lernen in den unterschiedlichen Kurseinheiten eine Simulation des Sprechfunkverkehrs kennen oder üben sich in Instrumentenkunde. In verschiedenen Übungssequenzen werden die angehenden Flugzeugführer auf die Prüfungsfragen vorbereitet. Entwickelt wurde die Lernplattform vom Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart gemeinsam mit dem [extern] Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Dank Fördergelder der Europäischen Union kann eine virtuelle Flugschule mit dem Projektnamen [extern] Lilienthal über die Grenzen hinweg entstehen.
Den Anstoß zu diesem doch außergewöhnlichen Projekt gaben fünf namhafte europäische Verkehrsfliegerflugschulen. In erster Linie ging es ihnen darum, die Lerninhalte der Kurse zu harmonisieren und gleichzeitig die Kooperation durch Einsatz von Informations- und Kommunikationsstrukturen zu optimieren. Die Flugschulen wollen sich zu einer virtuellen europäischen Pilotenschule zusammenschließen und somit auch die neuen einheitlichen europäischen Richtlinien in die Onlinepraxis einfließen lassen. Den Flugschülern erspart es Anfahrts- und Unterbringungskosten. Auch die Flugschulen selbst profitieren davon, sie können sich stärker auf die praktische Ausbildung im Flugzeug konzentrieren. Das Projekt "Lilienthal" befindet sich derzeit noch in der Modellphase und soll ab Juni 2000 auch für Neubewerber offen sein.
Durch den Einsatz der CD-ROM und der Lernplattform im Internet haben die Schüler im theoretischen Teil die Möglichkeit, ihr Lerntempo selbst zu bestimmen und sich ihre Lernschritte individuell einzuteilen. 100 Unterrichtsstunden sind für die Privatpilotenlizenz nötig, darüber hinaus kann der Flugschüler den neun Fächer umfassenden Stoff je nach vorhandener Zeit in der häuslichen Umgebung einüben oder auch Fragen dazu stellen und ihn sich genauer erklären lassen. Die bisherigen Fluglehrer machten eine Wandlung zu Tele-Tutoren durch und stehen ihren Schülern mit Rat und Tat zur Seite. Bisher zeigt sich, dass die Tutoren bei 100 Stunden Unterricht ca. acht Stunden mit jedem Schüler beschäftigt sind. Allerdings ist noch nicht abschließend untersucht, ob sich das Frageverhalten des PC-Schülers verändert, wenn er seine Fragen in einer anonymen Umgebung stellt.
Die Flugpraxis allerdings muss man noch im realen Flugzeug sammeln, aber zum Vorbereiten kann man inzwischen auf diverse Flugsimulatoren für Privatpiloten zurückgreifen. Am bekanntesten ist immer noch der Flugsimulator von Microsoft, der gerade in der aktuellen Version [extern] Flight Simulator 2000 Pro vorgestellt wurde. Durch umfangreiches Kartenmaterial und realistische Landschaften kann er die grenzenlose Freiheit immer noch am besten vermitteln. Die aktuelle Pro-Version verzeichnet über 20.000 Flughäfen, darunter auch die der Bundeshauptstadt Berlin.
Wer sich den virtuellen Wind beim Fliegen um die Nase wehen lassen möchte, sollte sich unbedingt die erste Flugsimulation für Hängegleiter und Ultraleichtflugzeuge von [extern] Ubi Soft ansehen. [extern] Hangsim vermittelt den PC-Piloten ein ziemlich realitätsnahes Bild vom Fliegen ohne starke Motorenleistung. Die Kleinfluggeräte sind viel stärker von den Witterungsbedingungen abhängig und verlangen, dass bei der Flugplanung die Thermik berücksichtigt wird. Bei der Entwicklung hat man viel Wert auf Details gelegt. So wurden zum Beispiel Luft- und Satellitenaufnahmen verwendet, um das Terrain mit bis zu 3 Meter/Pixel relativ wirklichkeitsnah abzubilden und so bei niedrigen Flughöhen mit den ultraleichten Fluggräten ein ästhetisches Abbild zu liefern. Ebenfall wurde ein atmosphärisches Wettermodell entwickelt, welches den Luftströmungen über Bergen und Tälern nahe kommt.