01.02.: Ausweispflicht für Schüler
Ausweispflicht für Schüler
Eingangskontrolle in der Schule
Das Betreten des Schulgeländes ist nur Albert-Einsteinern und Albert-Einsteinerinnen gestattet, steht auf roten Pappschildern an den Eingängen der Kooperativen Gesamtschule Albert-Einstein in Laatzen. Doch bei dieser eindringlichen Botschaft will man es nicht belassen, denn die Gesamtkonferenz der Schule hat eine Ausweispflicht vorgeschlagen, die ab April 2000 eingeführt wird. Begründet wird dieser Schritt mit dem Hinweis, die Sicherheit an der Schule zu verbessern
Bewusst emanzipatorisch gibt man sich auf den Pappschildern und betont, dass diese formlose Eingangsgenehmigung sehr wohl für Schüler als auch für Schülerinnen gilt. Doch in der Praxis hat sich wohl niemand groß an diese Anweisung gehalten, denn "Besucher" haben sich dem Pappschild entsprechend weder beim Hausmeister noch bei der Schulleitung angemeldet.
Besucher sind nach wie vor herzlich willkommen, doch diese müssen sich in Zukunft einen Laufzettel holen, der sie zum Aufenthalt im Schulgebäude berechtigt. Im Bereich der Bezirksregierung Hannover wird die Albert-Einstein-Schule die zweite Schule sein, die ab April 2000 diese Ausweise einführen wird. Der Ausweis wird etwa Scheckkartengröße haben und selbst ein Passbild beinhalten. Lediglich eine Berufsschule in Neustadt hat sich bislang für die Ausweispflicht entschieden. Aus Neustadt wurden immer wieder Gewalttaten an den Berufsschulen gemeldet, was aber offensichtlich an Schülern der Schulen lag. Dem entgegen liegt an der Albert-Einstein-Schule kein interner Anlass zugrunde, sondern als Hauptgrund wird angegeben, dass sich im Umfeld "von Schulen" unliebsame Gäste wie Dealer, Schläger und sogar Abzocker aufhalten sollen.
Doch anscheinend soll nicht nur die Sicherheit der Schule gewährleistet sein, denn die Ausweise werden noch eine weitere Funktion erfüllen. Die Schüler sollen ohne jeden Zweifel zu identifizieren sein, besonders wenn sie durch Fehlverhalten aufgefallen sind. Die Lehrkräfte waren hier bislang offenbar überfordert, denn von 1.500 Schülern sind nicht alle den Lehrern namentlich bekannt. Deshalb soll auch eine Mitführungspflicht für den Schulausweis gelten, und wer sich weigert oder ihn nicht dabei hat, wird mit Strafe bedroht. Hier soll allerdings eine Einzelfallentscheidung erfolgen. Zumindest wird auch dieses als Fehlverhalten interpretiert und ohne Ahndung könnte man sich die Ausweisgeschichte auch sparen.
Während einige Schüler die Aktion für sinnvoll halten, fühlen sich andere an polizeistaatliches Handeln erinnert. Eigentlich fehlt nur noch die Schuluniform. Während man allerdings einerseits restriktive Maßnahmen ergreifen will, findet man an anderer Stelle einen laisser-fairen Umgang und empfiehlt den Kindern Einkaufsmöglichkeiten im Umfeld der Schule. Zumindest wird auf der Homepage darauf aufmerksam gemacht: "Westlich vom Haupteingang befindet sich ein Bäcker, ein Getränkemarkt und ein Kiosk. Nördlich ist ein Aldi-Markt und noch ein Kiosk und nordöstlich des Haupteinganges liegt das Leine-Center. Falls Sie essen gehen möchten, können sie auf der Karte nachschauen, wo welche Restaurants aufzusuchen sind."