09.03.: Einmal Klomanager sein
Das Spiel mit der Spülung, einer Brille, einer Schüssel aus Keramik und Klopapier
So einfach möchte es manch Anbieter von öffentlichen Toiletten auch einmal haben, denn bei der Wirtschaftssimulation "Klomanager" von Rondomedia stehen dem Spieler wirklich gleich 500.000 Euro Startkapital zur Verfügung. Mit so einem Risikokapital ausgestattet würden manche Startup-Unternehmen sicher nicht gleich den Bach runter gehen.
Als Wirtschaftssimulation wurde schon einiges auf dem Computerspielmarkt angeboten. So konnte man einen Vergnügungspark verwalten oder sich als Pizzabäcker ein Imperium aufbauen. Doch der Klomanager schießt allein durch seine prekäre Thematik den Vogel ab. Es ist schon erstaunlich, welche Ideen die Spielemacher in die Tat umsetzen. Vielleicht sind sie ja von der Diskussion um die Finanzierung der öffentlichen Toiletten inspiriert worden. In Hannover, aber auch in anderen Städten, wurden den Stadtvätern kostenlose WC-Anlagen angeboten, die sich durch Werbung finanzieren sollten. Ein Traumjob ist das im wirklichen Leben ganz sicher nicht und wie sieht es im Spiel aus?
Vom Kloputzer zum Millionär
Als kleiner Kloputzer soll man anfangen, dennoch - welch Widerspruch! - bietet das Spiel ein Startkapital von 500.000 Euro, um den Start in ein Wirtschaftsunternehmen zu erleichtern. In diesem Computerspiel soll man sich wirklich auf die großen und kleinen Geschäfte seiner Kundschaft konzentrieren. Und schon geht es los: Auf einem Stadtplan kauft man sich eine erste Parzelle und stellt dort erst einmal eine spartanische Ausstattung hinein. Doch dann beginnt der Ernst des Lebens, denn zum einen schläft die Konkurrenz nicht und bietet einen besseren Komfort, zum anderen sind die Rivalen gnadenlos in diesem Geschäft und verbreiten durch Mittelsmänner Gerüchte über unser neues Kloimperium. Da heißt es dann, die Ärmel hochzukrempeln und für eine bessere Ausstattung zu sparen. Je nach Inventar ist der Kunde möglicherweise auch bereit zu zahlen, deshalb ist es ratsam, sich auf dem Markt mit Gold-, Marmor-, Metall- oder Smaragdkloschüsseln einzudecken. Klar ist, dass man seine Toiletten regelmäßig warten und säubern muss.
Im Verlauf des Spiels kann man auch Geld in die Forschung stecken, doch oft ist das Ergebnis "Sch..." bzw. erfolglos. Doch sollte man nicht aufgeben, denn die Forschung kann bessere - wohl Kosten sparende - Spülungen und Brillen erfinden und zur Marktreife bringen. Solche mit allem Komfort ausgestattete Klos kann man dann auch zum Luxuspreis von 10 Euro anbieten.
Kontrollieren kann man seinen Erfolg anhand von unterschiedlichen Statistiken. Nach jedem Spielzug ist die Gewinn- und Verlustrechnung von jeder Toilettenanlage abrufbar. Doch bei der Entscheidung zur besseren Ausstattung von weniger rentablen Anlagen steht diese Option leider nicht zur Verfügung. Hier muss man sich auf sein Gespür verlassen und je nach Ausstattung entweder Innovationen bringen oder schlicht und einfach den Preis erhöhen. Stellt sich einem die Konkurrenz in den Weg, kann man Spione oder Saboteure wie den "Vollkotzer" oder den "Kaputtmacher" einsetzen. Selbst den grimmigen Herrn vom Gesundheitsamt kann man seinen Mitkonkurrenten auf den Hals schicken.
Spielziel ist es, in dieser krisensicheren Branche Klomanager zu werden. Man kann aber auch aus acht verschiedenen Gewinnoptionen ein anderes Spielziel wählen und zum Beispiel den als Gewinner festsetzen, der die erste Million gemacht hat.
Bewertung
Der Vertreiber spart in seinen Bewerbungen nicht mit zweideutigen Beschreibungen, so heißt es "Konzentrieren Sie sich doch mal auf die großen und kleinen Geschäfte des Alltags!". Aber nach einiger Zeit hat man die Nase voll, denn die Klos halten einen ziemlich auf Trab. Hier mal klicken, da mal klicken und die Runde beenden. Nach 70 Runden und knapp 14 Millionen Barvermögen war ich immer noch kein Klomanager.
Nur gegen den Computer auf ein paar wenigen Bildschirmseiten herumzuklicken und immer noch nicht zu kapieren, warum die Forschung auch nach dem fünften Einsatz von 40.000 Euro keine brauchbaren Ergebnisse liefert, frustriert doch ziemlich. Hier bietet sich dann doch noch die Vier-Spieler-Option an, dann macht das Spiel ganz sicher mehr Spaß. Zur Not kann man diese doch sehr einfach gehaltene Wirtschaftssimulation jederzeit abspeichern und zu einem späteren Zeitpunkt mit seinen Freunden oder - wer weiß - im Schulunterricht weiterspielen. Doch ist zu erwarten, dass dieses Spiel schnell von der Festplatte verbannt wird, dafür ist der Spielraum zu sehr eingeschränkt. Leider funktioniert aber auch die Deinstallation nur unvollständig, denn die Verzeichnisse müssen von Hand entfernt werden. Eine 10,5 MByte große Demoversion kann man sich bei Rondomedia herunterladen und erhält so einen Eindruck, ob sich der Kauf (je nach Händler zwischen 30 bis 40 Mark) letztlich lohnt. Da keine aufwändige Grafik oder Animation im Spielverlauf genutzt werden, reicht ein einfacher Pentium 100 sicher aus.
Eigentlich schade, man hat eine tolle Idee und einen Spitzennamen für ein simples Klick-Spiel vergeudet. Hier hätte echter Klokult entstehen können.
(Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/game/6658/1.html)