11.04.: Mineralwasser mit Radium verseucht
Zwischen Panik, Quote und Rechtssicherheit
Das ARD-Magazin "Plusminus" meldete vor Ausstrahlung der Sendung am Dienstag, dem 11. April, dass von 19 untersuchten Mineralwasserproben fünf extrem viel Radium-226 enthielten. In dieser Vorabmeldung werden jedoch noch keine Namen genannt.
Radium-226 soll noch gefährlicher als Plutonium sein. Bei fünf von 19 geprüften Proben sind die Werte als so bedenklich anzusehen, dass gleiche Messergebnisse im Abwasser von Uran-Aufbereitungsanlagen oder Brennelement-Fabriken nach der geplanten Strahlenverordnung eine Schließung dieser Betriebe zur Folge hätte. Doch die Mineralwässer gibt es nach wie vor zu kaufen, obwohl Experten - so die Meldung - eine Gesundheitsgefährdung von Kindern nicht ausschlössen. So sollen Wissenschaftler in mehreren Studien bei einer erhöhten Radiumbelastung von Wasser sogar eine Steigerung von Leukämieerkrankungen bei Kindern beobachtet haben.
Viel Sorgen machen sie die Mineralwasserkonzerne um diese doch erschreckende Meldung nicht, denn bei einer Stichprobe der Internetseiten von Apollinaris, Vilsa oder Gerolsteiner Brunnen finden sich bislang keine Hinweise oder Richtigstellungen. Dennoch gehen ungenannt bleibende Fachleute davon aus, dass seriöse Unternehmen ihre Wässer längst auf alle möglichen Inhaltsstoffe untersucht haben müssten. Das wird auch indirekt von der Redaktion des ARD-Wirtschaftsmagazins plusminus bestätigt. Hier heißt es, dass man einem Hinweis aus der Branche nachgegangen sei. Produktnamen will man noch nicht nennen, denn noch laufe eine zweite Untersuchungsreihe. Diese soll hauptsächlich zur Rechtssicherheit vorgenommen werden, weil man so möglichen Regressforderungen der Branche ein zweites Gutachten entgegen halten kann.
Dennoch müssen sich die Redakteure auch fragen lassen, warum sie nicht gleich Ross und Reiter nennen. Recherchiert man denn wirklich auf den letzten Drücker und macht dann schon im Vorfeld eine Programmankündigung, die sogleich von den Videotext-Redaktionen und Tageszeitungen aufgenommen wird? Mit einer derartigen Vorgehensweise wird der Verbraucher nur verunsichert. Oder ging es mal wieder nur um die berühmte Einschaltquote? Vorerst spekuliert man ein wenig, denn die Grenzwerte der USA gelten hier nicht und die Strahlenschutzverordnung ist ebenfalls nicht beschlossen. Dann gibt es noch eine Mineralwasserverordnung, die den Herstellern jegliche Reinigung bzw. Filterung strikt untersagt. Lediglich zu hohe Eisenwerte sollen bislang von einem Wasser reduziert worden sein.
Nichtsdestoweniger verheißt diese Meldung nichts Gutes und schnelles Handeln scheint angebracht. Als gesundheitsbewusster Mensch muss man sich wohl zwangsweise die plusminus-Sendung ansehen, denn über dpa wird inzwischen auch eine Pressemeldung verbreitet, dass Radium in Mineralwasser keine Gefahr bedeute. Für das Gefährdungspotenzial sei die Dosis entscheidend und über diese kann man bekanntlich mal wieder streiten.
Wie schnell eine solche Meldung die Menschen aufschreckt, zeigt ein Beispiel eines Small-talk am Kiosk: Eigentlich war ich mit einem ca. 12-jährigen Mädchen über Handys in Fachzeitschriften ins Gespräch gekommen, als sie auf einmal sagte: "Ich habe gehört, dass Wasser vergiftet sein soll". So gut es eben ging, versuchte ich sie aufzuklären. Sie war jedoch immer noch beunruhigt und meinte, sie tränke Wasser doch so gern, was solle sie denn sonst trinken? Ungeachtet der Tatsache, dass es wichtig und lobenswert ist, über bedenkliche Inhaltsstoffe zu berichten und aufzuklären, bleibt die Frage, ob Medien die Menschen wirklich mit Schlagzeilen in Vorabmeldungen verunsichern sollten?
(Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/co/5991/1.html)