14.04.: Pokémon-Trainer stürmen die Kinos
Zum Filmstart von “Pokémon - der Film”
Viele kleine Füße stürmten gestern die Treppen der Kinos hoch, um schnell den Sitzplatz zu finden und ja nicht den Anfang des ersten Zeichentrickfilms über ihre Nintendo-Schützlinge zu verpassen. Von den vier bis maximal 10-jährigen Jungen und Mädchen waren alle erfahrene Pokémon-Trainer.
Ohne die GameBoy-Spiel-Erfahrung blieb den begleitenden Fahrdienstleistern wie Vätern, Müttern, Tanten oder Onkels nur eines übrig, nämlich gegen eine stark aufkommende Langeweile und Müdigkeit zu kämpfen. Ihnen verschloss sich die Welt der Pokémons gänzlich. Ihre Aufgabe bestand hauptsächlich im Fahr- und Begleitdienst, im Bezahlen der Kinokarte nebst dazu gehörigem Popkorn und der obligatorischen Cola.
Die Pokémon-Trainer indes konnten ihre Aufregung kaum verbergen, denn endlich waren ihre kleinen Lieblinge in voller Größe auf der Riesenleinwand zu sehen. Und selbst eine technische Panne, bei der es im Kino für ca. sieben Minuten dunkel blieb, wurde nicht für Randale genutzt. Manche ängstigten sich ein wenig, andere markierten den Starken und verlangten ihr Geld zurück. Doch sowie sich das erste Bild auf der Leinwand zeigte, wurde es fast leise.
Andächtig folgten die Kids einer Episode des im Fernsehen ausgestrahlten Zeichentrickfilms: Pikachu´s Ferien. Hier wurden fast alle Pokémons vorgestellt. Doch nötig war es nicht, denn die jeweiligen Namen riefen einige Kinder immer wieder in den Kinosaal. Neu vorgestellt wurden zwei weitere possierliche Pokémons: Snubbal und Marill. Vielleicht hänge ich mich auch zu weit aus dem Fenster: Ich zumindest kannte die beiden nicht.
Endlich begann der Hauptfilm und die Kids hielt es teilweise vor Spannung nicht mehr auf den Sitzen. Manche standen an der Lehne der Vorderreihe, während sich andere erst einmal zurecht rekelten. Die Geschichte des Films lässt sich schnell erzählen: Von einer Klonmaschine wird "Mewtu" hergestellt. Dieser Pokémon-Klon erkennt schnell, dass die Menschen ihn nur benutzen wollen und wehrt sich vehement gegen jegliche Einflussnahme. Er bemächtigt sich der Klonmaschine und produziert fleißig weitere Klone, wozu er z.B. nur eines Haares bedarf. Das kommt uns doch alles ziemlich bekannt vor und hat wirklich nichts mit den Zukunftsfantasien der EXPO zu tun. Als rätselhafter "Meister" fordert er die besten Trainer der echten Pokémons zum Wettkampf auf, um diese zu vernichten. Schließlich treten die Pokémons heldenhaft gegen ihre eigenen Klone an. Wie immer in derartigen Computerspielen und so auch in diesem Film treten im Finale die Endgegner gegeneinander an.
Nie sollte man das Ende vorab erzählen, denn sonst schaut man sich ja nicht den Film an, aber soviel sei verraten: Es siegt die Liebe der Pokèmons zu ihren menschlichen Trainern und ihre Vernunft. Im Kino wurde es immer stiller, nur bei den actiongeladenen Kampfszenen konnte man die kindliche Anspannung förmlich fühlen. Alle Trainer zitterten mit ihren Lieblingen und mucksmäuschenstill wurde es schließlich in einer traurigen Szene. Einige Kinder in meiner Nähe beruhigten die anderen und meinten: "Der ist doch nur kurz versteinert".
Neben dem Film wurde den Trainern noch ein Pop-Soundtrack mit Ashley Ballard, Britney Spears, N´Sync, B*witched, 98º, Mandah und Billie & Aaron Carter geboten. Ansonsten erscheint der Film recht lieblos zusammen gezimmert, doch das ist nur die Meinung eines Pädagogen und Hobby-Filmbeobachters. Und dieser hat auch etwas gegen die Teletubbiestimmen im Pokémon-Film.
Auch wenn wir Erwachsene diese Begeisterung der Kinder für die Pokémons kaum nachvollziehen können, würden wir uns von den Kindern diese Anteilnahme und gespannte Erwartungshaltung in vielen anderen Situationen wünschen. Die Mitarbeiter in den Kindergärten und die Lehrer an den Schulen würden vor Begeisterung über ihre "lieben Kleinen" Purzelbäume schlagen. Also heißt es nun für die Pädagogen die neuen Sammelkarten zu besorgen oder mit "ihren" Kindern zu tauschen, dann würden sie ganz nebenbei ca. 150 Pokémons kennen- und schätzen lernen.
Doch es reicht nicht, nur die Namen auswendig zu lernen. Die Kids erkennen die lustigen Wesen an der Form und wissen deren individuelle Fähigkeiten im Vergleich zu anderen Pokémons einzuschätzen. Wenn sie dann auch noch mit ihren Kindern das Sammelkartenspiel spielen würden, könnten sie vielleicht den Sinn und Zweck des Pokémonsspiels ein klein wenig begreifen. Doch wer kein Pokémon hat, ist out oder hat die Prinzipien des Crossmarketings nicht begriffen! Noch ist diese Pokémon-Fieber-Welle nicht vorüber.
Ich danke dem Cinestar Garbsen für diese Lehrstunde.
(Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/kino/8046/1.html)