16.04.: Gute berufliche Aussichten verhindern Prom

Hochschuluntersuchung befürchtet Mangel an wissenschaftlichem Nachwuchs

Nach einer Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems sind die deutlich verbesserten Beschäftigungschancen als eine der Ursachen anzusehen, dass in einem absehbaren Zeitraum ein spürbarer Mangel an Nachwuchswissenschaftlern zu verzeichnen sein wird.

In den technisch-naturwissenschaftlichen Disziplinen sind die Berufschancen für Hochschulabsolventen zu Zeit exzellent. Über das letzte Jahrzehnt hinweg betrachtet war die Lage für Chemiker, Physiker und Biologen alles andere als rosig. Oft setzte sich der Einstieg in den beruflichen Alltag aus ABM-Stellen, Kurzzeitverträgen oder 630 DM-Stellen zusammen. Lediglich bei den Informatikern gab es in den letzten 10 Jahren immer recht gute Einstiegsmöglichkeiten in den Berufsalltag.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Hochschul-Informations-Systems in einer vom Bundesministerium für Forschung und Bildung ( bmb+f) geförderten Untersuchung der Berufseinmündung des Prüfungsjahrgangs 1997. In einer jetzt veröffentlichten Pressemeldung heißt es weiter: "Trotz guter Beschäftigungsperspektiven ist der Anteil unbefristeter Vollzeitstellen bei jungen Ingenieuren weiter gesunken oder stagniert auf dem Niveau der Krisenjahrgänge der frühen 90er-Jahre". Lediglich Physiker konnten von einer höheren Anziehungskraft der Wirtschaft profitieren, hier lässt sich eine Steigerung von unbefristeten Stellen feststellen. Ebenso verzeichnet die Studie eine höhere Bereitschaft, sich - trotz deutlich besserer Einstiegsmöglichkeiten - gegebenenfalls beruflich umzuorientieren.

Als Kriterien für den erfolgreichen Übergang in den Berufsalltag werden vier Aspekte angeführt:

* EDV-Kenntnisse
* Fremdsprachen
* Fachübergreifende Qualifikationen und
* die Bereitschaft, im Ausland zu arbeiten.

Diese Kriterien will man aber auch als generelle Anforderungen quer durch alle Studienrichtungen verstanden wissen. Moderne Betriebe stellen heute entsprechende Ansprüche an ihre zukünftigen Mitarbeiter. Ganz nebenbei erwähnt man auch die Einschätzung von befragten Frauen, dass sie im Vergleich zu männlichen Kollegen einen schwereren Einstieg in den Beruf haben. Hier wurde eine rückläufige Einschätzung (36% gegenüber 51% acht Jahre zuvor) vorgefunden.

Doch wo auf einmal Licht zu verzeichnen ist, erscheint die Schattenseite umso plastischer, denn einhergehend mit dieser durchaus positiven Entwicklung ist ein Rückgang von Promotionsabsichten verzeichnet worden. Dieses könnte mittelfristig zu einem Mangel an Nachwuchswissenschaftlern an den Hochschulen führen.

Interessant als eine Möglichkeit der Lösung dieses Dilemmas könnte ein globaler Austausch von Fachkräften sein, denn wenn hier zum 1. August bis zu 20.000 Green Cards vergeben werden, könnte sich im Austausch mit Indien eine gleich hohe Anzahl von "Helfern" auf den Weg machen. In Indien gibt es nach letzten Pressemeldungen einen Mangel von 70.000 IT-Fachkräften. Damit könnten deutsche Fachkräfte für eine begrenzte Zeit Auslandserfahrungen sammeln. Mit den verbesserten Qualifikationen könnten sie nach längstens fünf Jahren auch wieder für den deutschen Markt zu gesuchten Fachkräften werden. Wenn sie dann noch die Bereitschaft zur Promotion entwickeln würden, stände einer steilen Karriere als Professor nichts entgegen.

(Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/inhalt/te/8051/1.html)