27.04.: Die Big Brother-Spiele
Die Quadratur des Geldscheffelns geht auf
Für Endemol geht es inzwischen nicht mehr nur um eine gute Quote, sondern die DokuSoap Big Brother soll sich zu einem klar kalkulierten Goldesel entwickeln. Die populären Ex-Big Brother-Bewohner sind für ein Jahr vertraglich gebunden und die Crossvermarktung wie z.B. durch Spiele, CDs oder Filmrollen hat gerade erst begonnen. Grund genug, die Spiele einmal unter die Lupe zu nehmen.
Die Vermarktungsmaschine ist in vollem Gang. Die Ex-BB-Bewohner werden durch die Morgen- und sonstigen Talkshows geschleppt, immer dabei eine grimmig dreinschauende Medienberaterin des Senders. Mit Argusaugen wacht sie darüber, dass nur nichts Negatives über die Doku-Soap über den Bildschirm geht. Doch Big Brother ist für Endemol nicht nur der Goldesel im Bereich der Fernsehvermarktung. Mit dem Ex-Bewohner Zlatko wurde sogleich eine CD aufgenommen und eine Zeitschrift sollte vierzehntägig die Sendung begleiten. Diese Zeitschrift muss so erfolgreich sein, dass sie nun wöchentlich im Zeitschriftenhandel erhältlich ist.
Schon wird darüber spekuliert, welche Film- oder Fernseh-Rollen den ausgeschiedenen Kandidatinnen Kerstin und Manuela angeboten werden. Der bisher einsame Renner in der Geldmaschine Endemol bleibt aber Zlatko, und der Höhepunkt wird wohl dann erreicht werden, wenn sein "Freund Jürgen" das Big Brother-Haus verlassen muss. Denn mit diesem Dreamteam von Einfältigkeit und kölnischer Frohnatur lassen sich bestimmt weitere Millionen verdienen.
Jetzt liegen auch noch die ersten offiziellen Spiele vor. Zum einen ist es ein Brettspiel von Jumbo, zum anderen ein PC-Computerspiel, für das die Firma Infogrames die Lizenzrechte erworben hat.
Das PC-Spiel
Um eine Kaufempfehlung schon einmal vorweg zu nehmen: Der Kauf des Spieles lohnt sich nur für ziemlich eingefleischte BB-Fans. Jedem erfahrenen Computerspieler stellen sich angesichts der knapp 30 investierten Mark die Nackenhaare hoch. Viele Sharewarespiele haben einen höheren Spielanreiz und mit der doppelten Vermarktung von bereits gesendeten Filmchen kann man die CD-ROM allenfalls als Werbe-CD einstufen. Und Werbe-CDs gibt es eigentlich umsonst.
Die Spielstory ist genauso wie die Handlung knapp und schnell erklärt: Als BB-Comic-Figur hat man immer Hunger, deshalb soll man in einem Pacman-Spielfeld alles essen, was so auf dem Weg liegt. Klar, dass es auch Bonushäppchen gibt. Im Weg sind natürlich die anderen BB-Haus-Mitbewerber. Die kann man aber rauswerfen, wenn man ein Ei oder Schokolade gegessen hat. Bei drei Nominierungen muss man das Haus (das Spiel) selbst verlassen. Ist ein Spielfeld leergefuttert, geht es in den nächsten Level. Nach jeweils drei Levels geht es in einen anderen Teil des Hauses.
Sich dumm und dämlich zu futtern, steigert im PC-Spiel den Beliebtheitsgrad. Kurzum, deutlich ist, dass das Spiel aber auch wirklich nichts mit irgendeiner Realität gemeinsam hat. Und es gibt sogar einen Trostpreis, denn bis zu 21 Videokassetten können eingesammelt werden und bieten, wenn man das "Spielhaus" verlassen muss, noch ein paar "exklusive" Bonusbilder. Seinen persönlichen Highscore kann man per Internet auch noch in einer "offiziellen" Liste eintragen lassen. Hier führt natürlich prompt jemand mit über acht Millionen Punkten und scheint damit uneinholbar. Das ist die zehnfache Menge zum 18. Platz und scheint mal wieder mit dem Hex-Editor herbeigezaubert worden zu sein. Zwar versucht man so eine Anbindung der Spieler an die Site, doch die Sympathieskala auf der Gamesite ist auch nicht mehr aktuell. Hier kann man immer noch für die bereits ausgeschiedenen Kandidatinnen Manuela und Kerstin stimmen. Wie fast überall hat Jürgen die höchsten Sympathiewerte. Auf der CD-ROM finden sich zehn noch freizuspielende Filmclips vom bisherigen Geschehen aus dem BB-Haus, zehn Castingclips sowie Biografien und Fotos der Kandidaten. Eine erste Online-Kritik befand, dass es bessere Softwareperlen gibt, und wundert sich, dass das Teil überhaupt etwas kostet. Wahrscheinlich ist das auch der Grund, warum sich auf der ganzen Spielverpackung nicht ein Bild von dem Spiel findet. So etwas bezeichnen Computerspielexperten als Mogelpackung.
Alternative kostenlose Online-Spielmöglichkeiten
Kostenlose Internetspiele finden sich bei Zlatkoswelt, wo man sowohl Memory spielen als auch Zlatko zum Abschießen von Hühnern auf seine Mitbewohner bewegen kann. Aber auch auf www.whothefuckiszlatko.de/ findet sich ein kostenloses Game - und hier kann man ein wenig auf die BB-Bewohner schießen. Und wer sich an eine niederländische Version herantraut und eine längere Ladezeit in Kauf nimmt, kann hier Big Bother - es heißt wirklich so - spielen.
Das Brettspiel
"Big Brother - das Spiel" kommt aus der Kategorie der häuslichen Kommunikationsbrettspiele. Manche bezeichnen diese Spiele auch als Psychospiele, weil sich die Spieler bereit erklären müssen, sich auch persönliche Fragen stellen zu lassen. Die bekanntesten Spiele aus dieser Kategorie sind Tabu und Therapy. Doch wirklich Spaß machen sie nur in Gruppen, die sich schon länger kennen, denn manche der Fragen zielen auf den Intimbereich ab. An der Spielform scheiden sich allerdings die Experten.
Big Brother kann man mit bis zu sechs "BB-Kandidaten" spielen, doch diese sollten unbedingt bereit sein, sich auch in zum Teil sehr persönlichen Eigenschaften von den anderen Mitspielern einschätzen zu lassen. Positive Eigenschaften werden belohnt und Unarten werden bei der Stimmabgabe gnadenlos geahndet. Insofern hat das Spiel schon viel von der BB-Wirklichkeit der DokuSoap. Es bietet die spielerische Chance, sich selbst und die Mitspieler besser kennen zu lernen.
Die Anzahl der Spielzüge wird mit zwei Würfeln ermittelt. Es gibt vier Arten von Spielfeldern: Konfrontations-, Klatsch-, Kamera- und Zimmerfelder. Landet ein Mitspieler auf einem solchen Feld, sind Anweisungen durchzuführen. Eine Spielrunde ist jeweils beendet, wenn alle Spieler einmal an der Reihe waren. Dann erfolgt der Ausschluss eines Spielers. Als nominiert gelten die Spieler mit den wenigsten Stimmkarten. Alle Mitspieler - auch die bereits ausgeschiedenen - beteiligen sich dann an der endgültigen Abwahl. Die Herausgewählten gelten fortan als Zuschauer mit Stimmrecht. Es wird solange gespielt, bis nur noch zwei Spieler übrig sind. Diese beiden dürfen darüber entscheiden, wer noch als Kandidat in das Spiel zurückkehren darf. In einer Schlussabstimmung gewinnt schließlich einer der drei letzten Spieler.
Mit spielbeeinflussend sind die Spielkarten zu den entsprechenden farbigen Spielfeldern. Kommt ein Spieler zum Beispiel auf ein Kamerafeld, erhält er eine Kamerakarte und muss fortan seine Mitspieler auf bestimmte Verhaltensweisen beobachten. Erfasst er eine solche Handlungsweise, muss er dieses sofort kundtun. Der ertappte Mitspieler muss nun eine Stimmkarte mit der Nummer des Beobachters in die Stimmbox stecken. Gerät ein Spieler auf dieses Feld, so kann er sich einen Mitspieler frei aussuchen. Aus der Zahlkombination der Würfelzahl ergibt sich eine Gesamtzahl. Diese findet sich in einer Klatschtabelle wieder und zeigt ein "Klatschwort" an. Auf der Tabelle finden sich 36 verschiedene positive und negative Typisierungen. Beide müssen sich entscheiden, auf welchen der nicht beteiligten Mitspieler das Wort am besten passt. Haben sich beide Spieler für denselben Mitspieler entschieden, so muss jeder Spieler die Stimmkarte für seinen Klatschpartner in die Stimmbox schieben. Haben sie keine Übereinstimmung erreicht, geschieht nichts weiter.
Bei den Konfrontationsfeldern gibt es die entsprechenden Karten mit Situationsbeschreibungen. Diese Beschreibungen sind laut vorzulesen, danach muss sich jeder aktive Mitspieler entscheiden, wer dem Verhalten am ehesten entspricht und muss die entsprechende Stimmkarte abgeben. Bis zur Nominierung und den Schlussabstimmungen gilt es, möglichst viele Stimmkarten zu bekommen. Wer die wenigsten Stimmkarten hat, ist nominiert.
Hier soll nicht alles verraten werden, denn das Jumbospiel bietet durch die Vielzahl von Situationsbeschreibungen viele abwechslungsreiche Spiele und kann durchaus empfohlen werden. Diese Herausforderung kann man durchaus annehmen, allerdings muss man diese Art von Spielen schon mögen. Nicht empfehlen kann man dagegen die Homepage des Herstellers, denn dort findet sich nicht der geringste Hinweis aus das neuste Produkt. Schämt sich Jumbo Spiele für dieses "Big Brother"-Spiel?
(Quelle: http://www.heise.de/tp/deutsch/special/game/6760/1.html)