28.01.: Präsident des Verkehrsgerichtstags hält da
Präsident des Verkehrsgerichtstags hält das Computerspiel “Autobahnraser II” für bedenklich
“Ohne Regeln gnadenlos über deutsche Autobahnen”
Der Verkehrsgerichtstag in Goslar beschäftigte sich dieses Jahr mit der Alkoholkontrolle durch Pusten als einem Hauptschwerpunkt. Doch auch ein Computerspiel stand im Mittelpunkt der Kritik. Der Präsident des Verkehrsgerichtstags, Peter Macke, hält das Computerspiel "Autobahnraser II" sogar für schädlich und wandte sich mit deutlichen Worten an die Vertreiber, die sich seiner Meinung nach dafür schämen sollten.
Die rechtsverbindliche Alkoholkontrolle durch Pusten oder das Überholen auf der rechten Spur stand im Mittelpunkt des diesjährigen Verkehrsgerichtstags in Goslar. Ebenfalls wurden ein verbessertes Reißverschlussverfahren vor Engpässen auf Straßen, neue bzw. erweiterte Nutzungsmöglichkeiten für Standstreifen sowie Änderungen beim Schadensersatzrecht erörtert. Fachkräfte aus der Justiz, der Polizei, den Ministerien und den einschlägigen Verbänden diskutierten drei Tage wichtige Verkehrsrechtsfragen. Fast immer wurden auch "heiße Eisen" angesprochen, wie im letzten Jahr das freie Telefonieren mit Mobilfunkgeräten. Oft münden die Empfehlungen des Verkehrsgerichtstags wirklich in entsprechende Gesetze.
Jeder Autofahrer weiß oder ahnt zumindest, dass der Straßenverkehr nicht nur dichter geworden ist, sondern dass zunehmend aggressiver und rücksichtsloser auf den Straßen gefahren wird. Ein Hindernis auf der Straße wird schnell mal überholt, wobei eine Behinderung oder sogar eine Gefährdung des Gegenverkehrs einkalkuliert ist, oder auf der Autobahn wird in gefährlicher Weise gedrängelt, gehupt und mit den Scheinwerfern aufgeblendet: alles Verhaltensweisen, die im Computerspiel Autobahnraser zum normalen Verhalten gehören.
Es liegt inzwischen in der 2. Auflage vor und wird von der Firma Davilex vertrieben. Das Spiel, das offensichtlich mit einem Tabuthema wirbt und bei dem allein schon der Name Programm ist, war 1999 das am meisten verkaufte Spiel und belegte in den VUD-Charts damit den 1. Platz.
Ziemlich unverhohlen war auch die Werbekampagne im Fernsehen und in Computerfachzeitschriften: "Vergessen Sie alles, was Sie bisher in der Fahrschule gelernt haben". Scheinbar bedenkenlos darf man in diesem Rennspiel über die Autobahn und durch sechs Innenstädte heizen, was das Fahrzeug hergibt. Polizei oder Hindernisse können die Fahrt zwar stoppen, doch aufhalten lassen sich die Raser nicht. Im Gegenteil: für vernichtete Radarfallen beispielsweise gibt es eine Prämie. Durch das Spiel werden nicht die üblichen Verkehrsregeln vermittelt, vielmehr darf man sozusagen die Sau rauslassen und alles überfahren, was nicht schnell genug von der Straße oder aus der Fußgängerzone verschwunden ist. Vollgasfahren scheint das Motto dieses Spieles zu sein und die Verkaufszahlen belegen, dass das jugendliche Spielpublikum diese Botschaft verstanden hat.
Die Spielstory von Autobahnraser II verrät auch prompt den Hintergrund: "Über Jahre hat die berüchtigte Organisation der Autobahn-Raser illegale Rennen in ganz Deutschland veranstaltet. Nun formiert sich die wilde Meute zu einer neuen Runde verbotener Rennen. Die Meisterschaft führt durch alle Jahreszeiten. Auftakt ist bei Nacht und Schnee das Nachtrennen von Dortmund, das große Finale steigt im goldenen Oktober in Berlin. Nach einer halben Ewigkeit hast Du es geschafft, Kontakt zur Organisation aufzunehmen. Beim lang ersehnten Treffen in einer versteckten Werkstatt wird Dir nun erlaubt, dich als Anfänger in der Gruppe A zu beweisen. Hast Du das Zeug, Meister aller Klassen und König der Raser zu werden?"
Die Gutachter der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle ( USK) haben das Spiel unter Jugendschutzgesichtspunkten mit "Geeignet ab 6 Jahren" eingestuft. Wahrscheinlich sind sie davon ausgegangen, dass selbst jüngste Kinder die abstrusen Verhaltensweisen entlarven und genau einschätzen können, dass es sich hier wirklich nur um ein Spiel handelt. Ebenso muss davon ausgegangen werden, dass die Gutachter keine Übertragung des Bildschirmgeschehens in das Alltagshandeln von Kindern und Jugendlichen sahen.
Mit Erwachsenen beschäftigt sich die USK ja nicht, aber dennoch sind es nach wie vor die 18- bis 24-jährigen, die eine überdurchschnittlich hohe Anzahl von Unfällen verschulden. Hauptursache dafür sind Alkoholkonsum und das Überschätzen der eigenen Fähigkeiten beim Schnellfahren auf Landstraßen und Autobahnen. Der Präsident des Verkehrsgerichtstags scheint hier deutlich anderer Auffassung als die USK zu sein, denn er prangerte das Spiel "Autobahnraser" als Verharmlosung und Förderung des "Rowdytums auf unseren Straßen" an. Weiter sagte er: "Wer mit so etwas, sei es auch nur über Werbeeinnahmen, sein Geld verdient, sollte sich schämen."