18.01.: Keine homosexuellen Websites in Korea

Keine homosexuellen Websites in Korea

Bewertungssystem blockiert

Südkoreanische Schwule und Lesben haben die Regierung verklagt, weil ein Bewertungssystem ihre Webseiten blockiert. Das Bewertungssystem – das von einer angeblich unabhängigen Kommission erstellt wird – hat schwul-lesbische Internetseiten als „schädlich“ eingestuft.

Während sich in Deutschland gleichgeschlechtliche Partner inzwischen standesamtlich registrieren lassen können und Berlin von einem offen bekennenden schwulen Bürgermeister regiert wird, geht man in Korea – auch von staatlicher Seite – immer noch gegen Homosexuelle vor. Als sich zum Beispiel im Jahr 2000 der schwule TV-Star Sok-chon in einem Fernsehinterview als Schwuler geoutet hatte, begann für ihn der Ärger und eine Zeit der Diskriminierung. Genau wie der Berliner Bürgermeister Wowereit wollte sich der koreanische TV-Star mit einer Vorwärtsstrategie vor beabsichtigten Outing-Geschichten schützen. Nur ging die Geschichte für Sok-chon nicht positiv aus, so wurde ihm zum Beispiel die Moderation einer Kindersendung entzogen. Dennoch nahm er die Entlassung mit Würde: „Wie kann ich den Kindern beibringen, nicht zu lügen und zu betrügen, wenn ich nicht ehrlich zu mir selbst bin?“, berichtete Eurogay.de. Der „Korea Herald“ kommentierte diesen Vorgang mit der Tatsache, dass vielleicht eine Diskussion über die Rechte der Homosexuelle in Korea erfolge, wenngleich dieser Vorfall offenbare, dass die Regierung die Homosexuellen nicht schütze. In Korea wird Homosexualität immer noch als Schande für die gesamte Familie angesehen.

Nun wurde bekannt, dass die Regierung unter fadenscheinigen Begründungen den Zugang von schwul-lesbischen Webseiten im Internet gesperrt hat. Mit der Erklärung zum Schutz der Jugend wurde ein Verbot wegen „unsittlicher“ Darstellungen ausgesprochen. Jetzt wird die südkoreanische Ethik-Komitee für Information und Kommunikation (ICEC) von einem schwul-lesbischen Bündnis verklagt, weil die Seiten als „obszön und pervers“ eingestuft wurden. Wie die Netzzeitung berichtet, geht die Einstufung möglicherweise auf einen Beschluss der koreanischen Regierung zum Schutz der Jugend von 1997 zurück. Damals wurde die „homosexuelle Liebe als schädlich für die Jugend klassifiziert“. Für die homosexuellen Verbände, die sich in einem Bündnis gegen die Einstufung wehren, steht fest: „Menschen sollten nicht wegen ihrer sexuellen Orientierung benachteiligt werden; es widerstrebt basischen Menschenrechten“. Mit den Klagebestrebungen will das Bündnis aber nicht nur die Zensur beseitigen, sondern ebenso die konservativen Ansichten anprangern.

Siehe auch “Korea: Proteste gegen Internetzensur”