24.03.: Familie und die Neuen Medien
Familie und die Neuen Medien
Studie über die Auswirkungen von Internet und Handy auf das Familienleben
Mangels sensationeller Neuvorstellungen auf der CeBIT stehen in diesem Jahr die Handys im Blickpunkt der Öffentlichkeit. In erster Linie wird der jugendliche Privatkunde umworben. UMTS und i-mode sollen hauptsächlich Kinder und Jugendliche ansprechen, um so möglichst schnell Umsätze zu erzielen. Für Jugendliche ist das Handy genau wie das Internet eine deutliche Ergänzung der Freizeitgestaltung. Eltern sehen einer Studie der Uni-Oldenburg zufolge das Ganze deutlich pragmatischer und betrachten den Umgang mit Internet und Handy eher als zweckmäßig im Hinblick auf schulische Anforderungen und künftige berufliche Belange.
Beim Handy stehen noch andere Vorteile im Blickpunkt der Eltern, denn durch die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten zu ihren Kindern erleichtert sich die Vereinbarung zwischen Familie und Beruf. Soziologisch gesprochen: „Es unterstützt - wie das herkömmliche Telefon, aber ortsungebunden und jederzeit - die emotionale Stabilisierung der Familienmitglieder.“ Unter Leitung von Frau Prof. Dr. Rosemarie Nave-Herz wurde am Institut für Soziologie der Universität Oldenburg eine „Studie über die Auswirkungen von Internet und Handy auf das Familienleben“ durchgeführt. In Gruppendiskussionen und Einzelgesprächen wurden die Einstellungen von Erwachsenen und Jugendlichen herausgearbeitet, doch dabei trafen die Wissenschaftler immer auf tiefe Gräben. Eltern sorgen sich eher um die Zukunft ihrer Kinder in schulischen und beruflichen Belangen und akzeptieren deshalb die Mediennutzung, während für die Teenies der Freizeit- und Fun-Gedanke im Vordergrund steht. So versprechen sich Eltern von der Internetnutzung positive Effekte. Bei den Jugendlichen steht aber dieser Gedanke an die schulische Nutzung nicht an erster Stelle. Jedoch machen sich Eltern auch über problematische Inhalte Gedanken, zumal sie eine Kontrolle über die genutzten Inhalte kaum durchführen können, weil sie sich mit dem Medium nicht so gut auskennen. Die Wissenschaftler heben hervor, dass die Medienkompetenz der Jugendlichen dazu führen kann, dass sie zu gefragten Ansprechpartnern bei auftretenden Internet- oder Computerproblemen in der Familie werden. Sie betonen jedoch, dass dieses zu unbeabsichtigten Veränderungen im familiären Autoritätsgefüge führen kann. Welche Bedeutung diese veränderte Stellung in der Familie haben kann, wird leider nicht weiter ausgeführt.
Während beim Internet noch eine Notwendigkeit gesehen wird, führt der Besitz eines Handys immer wieder zu Konflikten innerhalb der Familie. Das Handy dient den Jugendlichen als Kommunikationsnetz, um kurze Absprachen zu treffen, Hausaufgaben nachzufragen, zum Flirten oder zur Diskussion per SMS. Oft wird bei diesen Anwendungen vergessen, dass es in den Familien auch noch einen „normalen“ Telefonanschluss gibt. Insofern stellen die hohen Handykosten einen Konfliktfaktor in den Familien dar und viele Jugendliche gehen heute wegen ihrer Kommunikations- und Modekosten neben der Schule arbeiten. Noch sind die Forschungen nicht abgeschlossen und die Uni Oldenburg sucht noch weitere Familien als Gesprächspartner. Doch grundsätzlich neue Erkenntnisse sind kaum zu erwarten, vielmehr muss man nach Ansicht der Bundesverbraucherministerin Renate Künast deutlich machen, dass das Handy immer mehr zur Schuldenfalle von Jugendlichen wird.