27.02.: Schneeballsystem per E-Mail
Schneeballsystem per E-Mail
Per Spam bis zu 45.000 Euro in nur drei Wochen
Eine umfassende E-Mail klärt Internetnutzer ungefragt über ein E-Mail-Verteilsystem auf, bei dem bis zu 45.000 Euro Verdienst innerhalb von nur drei Wochen versprochen wird. Jedoch verdient der zukünftige Versender nicht durch den Versand von Mails, sondern durch den Kauf und Verkauf von merkwürdigen Reports des „Rourke-Programms“ zu jeweils fünf Euro. Autor des Textes ist ein gewisser „Jody Jacobs, Richmond, VA“, der das System angeblich seit Dezember 1997 kennt. Im Internet wird das Programm auf der Website „rasanter-nebenverdienst“ beworben. Jedoch geistert dieser Text schon seit Jahren durch die Foren und hat sich dort manchen Unmut zugezogen.
Selten wirbt jemand so unverfroren und mit massiver Zeilenanzahl für ein Schneeballsystem. In der Regel gastieren solche Zirkel eher in abgelegenen Gasthäusern oder sperren die Öffentlichkeit aus. Doch in dieser Rundmail - die allein in Word importierte 11 Seiten umfasst – des Absenders „dagwin@XXX“ wird das System offen dargelegt. Damit will man sich wohl den Anstrich eines seriösen Geschäftes geben. Doch der Schneeballsystemverkauf ist in Deutschland verboten und wird regelmäßig von Verbraucherschutzverbänden abgemahnt. Suggeriert wird dem künftigen Teilnehmer zu Beginn des Textes, dass es sich um einen „PC-VERDIENST DURCH E-MAIL SENDEN“ handelt.
- „Auf den folgenden Seiten erhalten Sie die Information wie Sie mit ein wenig Geduld, Konsequenz und Freude mit Ihrem Computer von zu Hause Geld verdienen können und sich wirtschaftlich unabhängig machen können. Ich will Ihnen keine Reisen, Autos oder sonstige Vergütungen anbieten, denn Alles was Sie sich gönnen wollen, liegt alleine in Ihrem Ermessen. Bitte überlegen Sie gut! Wenn wirklich jeder mitmacht, dann kann auch jeder eine Menge Geld verdienen!“ (Aus der Einleitung der E-Mail)
Seriös?
Dann wird der künftige Teilnehmer ermuntert, denn dem Verteiler sei noch niemand bekannt, der durch das Konzept noch kein Geld verdient hätte. Der vermeintlich seriöse Anstrich des Konzeptes wird mit einer Untersuchung einer bekannten amerikanischen Nachrichtensendung herausgehoben. Seriös ist es jedoch, wenn man die Quelle bekannt gibt, damit ein Teilnehmer dieses dubiosen Systems sich wirklich davon überzeugen kann, dass die Untersuchung der Nachrichtensendung herausgefunden hat, dass es keine Gesetze gibt, die das Programm verbietet und dass es ein harmloser Weg sei, Geld von zu Haus verdienen zu können.
Einsatz nur 25 Euro
Wer bereit ist, nur 25 Euro einzusetzen und sich an die ellenlangen Anweisungen hält, kann nach Angaben des Versenders nur profitieren: Dies sei eine legale Möglichkeit, Geld zu verdienen und alles funktioniere jedes Mal 100%-ig perfekt. Niemandem müsse etwas verkauft werden und niemand müsse für seinen Einsatz hart arbeiten. Es seien eben nur ein paar Mails zu verschicken.
Angeblich flattern dann aber doch Bestellungen des „Report #1“ per Mail ins Haus. Davon soll man innerhalb von zwei Wochen auch mindestens 20 Stück erhalten. Ebenso soll man vom „Report #2“ mindestens 100 Bestellungen erhalten. Kurzum, es geht darum, 5-Euro-Scheine zu verschicken, in der Hoffnung, durch die Platzierung auf der E-Mailliste durch den Rückfluss von Geld reich zu werden. Die „Reports“ sollen Methoden aufzeigen, um möglichst große Mengen an Mails zu verschicken und den Prozentsatz des Geld-Rückflusses zu vergrößern. Bekanntlich haben auch Post-Werberundschreiben nur eine geringe Rücklaufquote, aber diese reichen trotz des Papiermülls aus, um ein Produkt ausreichend zu vermarkten. Hier erhofft man sich durch die Rücklaufquote der Dummen eine Riesenmenge an Euro. Statt einer Mail-Aktion oder zur Ergänzung raten die Vertreiber und – wahrscheinlich großen Abzocker – zur Platzierung von kostenlosen Anzeigen im Internet.
- Ebene-Ihre 6 Teilnehmer mit 5 Euro ...(5 Euro mal 6).... 30 Euro
- 2. Ebene-je 6 Teilnehmer dieser 6 ......(5 Euro mal 36)... 180 Euro
- 3. Ebene-je 6 Teilnehmer dieser 36 ....(5 Euro mal 216).. 1080 Euro
- 4. Ebene-je 6 Teilnehmer dieser 216 ..(5 Euro mal 1296).. 6480 Euro
- 5. Ebene-je 6 Teilnehmer dieser 1296 .(5 Euro mal 7776). 38880 Euro Summe................................................... 46650 Euro (Berechnung aus dem Schneeballsystem, Ziat aus der E-Mail)
Nun muss man nicht lange darüber nachdenken, wer am Kauf der ersten Reports verdient. Die Ware besteht aus virtuellen Textwüsten mit weiteren dubiosen Tipps sowie Adressen.
Das Verfahren
- = a. Nehmen Sie die Liste der erhältlichen "Report".
- = b. Nachdem Sie die 5 "Report" bestellt haben, nehmen Sie den vorliegenden Text mit der Liste und streichen Sie den Namen und die Adresse unter "Report #5"
- durch. Diese Person hat den Zyklus durchlaufen und zählt wahrscheinlich gerade die 45.000 Euro.
- = c. Verschieben Sie Name und Adresse unter "Report #4"
- nach unten zu "Report #5".
- = d. Verschieben Sie Name und Adresse unter "Report #3"
- nach unten zu "Report #4".
- = e. Verschieben Sie Name und Adresse unter "Report #2"
- nach unten zu "Report #3".
- = f. Verschieben Sie Name und Adresse unter "Report #1"
- nach unten zu "Report #2".
- = g. Fügen Sie jetzt Ihren Namen und Adresse an die Stelle unter "Report #1" ein.
- (Zitat aus der E-Mail)
Report #1 hat den beziehungsreichen Titel „Insider-Tips zum kostenlosen Inserieren im Internet“, Report #2 behandelt „Insider-Tips zum Versenden grosser Mengen an E-Mails im Internet“, Report #3 zeigt die „Die Geheimnisse des Multi-Level Marketing im Internet“, Report #4 beschäftigt sich mit dem Thema „Wie Sie durch die Power des Internet und des Multi-Level Marketing zum Millionär werden“ und schließlich Report #5 offenbart das Geheimnis „1 Million E-Mails kostenlos versenden!“. Schließlich kann man noch eine Mailingliste mit 100.000 aktuellen E-Mail-Adressen bei Andreas L. aus Heide bestellen. Erstaunlich, eben dieser Andreas L. steht auch an der Bestelladresse von Report #1 und kassiert gegebenenfalls allein 10 Euro von möglichen Bestellern. Er bietet auch noch weitere 100.000-E-Mail-Pakete im Gegenwert von 10 Euro an.
Haftungsausschluss
Die Veranstalter versuchen auch sich abzusichern, indem sie am Schluss des Textes eine Haftungsausschlussklausel veröffentlichen. Hier wird noch einmal betont, dass es sich nicht um ein Kettenbrief-System, sondern um eine Marketingstrategie handele, bei der ein Verkauf erfolge.
- Ich kann natürlich nicht garantieren, dass Sie mit diesem System Erträge erzielen.
- Teilnehmen kann jeder der das 18 Lebensjahr vollendet hat.
- Die Teilnahme erfolgt auf eigene Gefahr und auf Wunsch des Teilnehmenden.
- Es wird keine Haftung für missbräuchliche Verwendungen der evt. Erträge übernommen.
- Sollte der Teilnehmer nicht die erhofften und angedeuteten Erträge erzielen, verzichtet er darauf, andere Teilnehmer und den Urheber dieser Seiten in Regress zu nehmen oder in irgendeiner Form an diese heranzutreten. (Zitat aus der E-Mail)
Finger weg
Abgesehen von der enormen Belastung für das Netz, den solche Leute verursachen, kann sich niemand darauf verlassen, dass das System funktioniert. Gewinner werden immer die genannten Personen sein. In der bei telepolis vorliegenden Version will einer sogar gleich zweimal kassieren. Verhindern kann man solche Aktionen kaum, jedoch Aufklärung betreiben, denn die angestrebten 0,3 Prozent Rückläufer reichen zumindest für die bisherigen Verkäufer durchaus aus, um ordentlich zu verdienen. Andreas L. wird zum Beispiel im gleichen Brief genannt, der hinter einem Werbebanner auf der Website absinth-point.de/AP/ steckt.