28.03.: Störche unter Beobachtung
Störche unter Beobachtung
Projektteam begleitet den Rückflug der Störche nach Deutschland
Jeden Morgen berichtet das Morgenmagazin über den aktuellen Standort von sechs aus dem Winterquartier zurückkehrenden Störchen. Während die Störche im letzten Jahr noch pünktlich zum Osterfest eintrafen und fortan per WebCam aus dem Storchennest berichtet wurde, hat sich in diesem Jahr ein Projektteam an die Beobachtung des Rückflugs gemacht.
Nicht alle Störche suchen über die kälteren Monate ein wärmeres Gefilde auf. In Bad Nenndorf bei Hannover kann man auch im Winter drei Störche durch die Auen staksen sehen und beobachten, wie sie auf Nahrungssuche ihre Kreise ziehen. Im Moment sind sie schon kräftig dabei, ihr Nest herzurichten. Aber auch die Störche, die ein wärmeres Winterquartier bevorzugt haben, befinden sich auf dem Rückflug in den deutschen Brut- und Lebensraum. Das Projekt Storchenzug beobachtet seit dem letztem Jahr sechs verschiedene Weißstörche aus der Elbtalaue. Alle Störche wurden dafür mit einem ultraleichten Minisender ausgestattet. Damit kann der Standort der Vögel jederzeit per Satellitenauswertung festgestellt werden. Durch den Technikeinsatz wurde ein einzigartiges Experiment ermöglicht, indem der Zug in die ostafrikanischen Überwinterungsgebiete ebenso verfolgt werden konnte wie der Rückflug nach Deutschland. Neben den wissenschaftlichen Aspekten stand die unmittelbare Veröffentlichung der aktuellen Daten in den Medien im Blickpunkt des Projektes.
Die beobachteten sechs Weißstörche sind so genannte „Ostzieher“, sie wählen ihren Weg in die Überwinterungsgebiete über Südeuropa, die Türkei und den Nahen Osten. Den weitesten Weg legte „Prinzesschen“ zurück. Nachdem sie am 23. August losgezogen war, erreichte sie nach einem Flug über die Türkei und Ägypten Mitte September den Sudan. Nach zweimonatigem Aufenthalt zog es sie noch einmal stetig gen Süden. Mitte Januar erreichte sie die Südspitze Afrikas und befindet sich seit Mitte Februar ohne längeren Aufenthalt auf dem Rückweg. Nicht jeder ist allerdings so reiselustig, ihr Partner Jonas hat es sich ein wenig bequemer gemacht und entschied sich nach einer kurzen Ehrenrunde über Deutschland für Spanien als Urlaubsdomizil. Auf einer Karte im Internet kann man sich ein Bild vom aktuellen Standort der jeweiligen Störche machen und die einzelnen Stationen über den gesamten Zeitraum nachvollziehen. Der Rückflug der Störche wird seit dem 15. März mit einem Kamerateam dokumentiert und im Morgenmagazin der öffentlich-rechtlichen Sender ausgestrahlt. Parallel dazu findet sich unter Storchenzug.de ein Tagebuch der jeweiligen Beobachtungen und Erlebnisse des Fernsehteams. Angereichert werden die Fernsehberichte mit Interviewpartnern aus den jeweiligen Ländern. Ziel des Projektes ist es, neben der Dokumentation der Flugrouten Erkenntnisse zu gewinnen, wo die Wandervögel mit Gefahren rechnen müssen. Dadurch will man länderübergreifende Schutzmaßnahmen ausarbeiten und vereinbaren, damit zum Beispiel Gefahrenpunkte wie unisolierte Strommasten abgebaut werden oder die Bejagung eingestellt wird.
Den Nestbau, das Brüten und die Aufzucht kann man in diesem Jahr im Storchennest sogar per Live-stream beobachten. Besonders für Stadtschulkinder könnten Lehrer daraus ein Langzeitprojekt entwickeln und den Kindern eindrucksvoll das Leben einer Storchenfamilie näher bringen. Zurzeit sind die Störche allerdings noch nicht im Weißstorchinformationszentrum Niederlausitz eingetroffen. Am Nestrand richten sich bislang nur die Spatzen ein.