04.06.: Politik per Handschlag

Politik per Handschlag

Ein Pferdehandel für den Frieden?

Lange hat man auf die erste Begegnung zwischen Bush und Schröder warten müssen. Bereits im Vorfeld wurde deutlich, dass der amerikanische Präsident nur zur Stippvisite nach Petersburg und zum Gipfel kommen würde. Längst stand auch fest, dass George W. Bush für den Friedenskanzler Gerhard Schröder keinen Gesprächstermin frei hatte. Also kalte Schulter oder ein Zeichen einer Annäherung? Die erste Begegnung erlöste alle Wartenden: Man gab sich tatsächlich die Hände.
Auf jedem Bauern- und Pferdemarkt kann man das Feilschen per Handschlag beobachten. Mit einem Klatschen in die Hand des Händlers gibt man Angebote ab und wartet geduldig mit weiteren Verkaufsargumenten auf den Lippen auf das Eingehen in den beabsichtigten Handel, der schließlich mit einem kräftigen Händedruck besiegelt wird. Noch heute ist dieser Händel ein rechtsgültiger Vertrag mit all seinen Rechten und Pflichten.
Am Händedruck bei einer Begrüßung kann man sein Gegenüber auch recht schnell einschätzen. Wer erinnert sich nicht mit Schaudern an eine lasch dahin gestreckte Hand? Irgendwie will sich dieser Mensch nicht vernünftig vorstellen und sieht wohl im Händedruck schon eine zu große Intimität. Andere Mitbürger pressen einem die Hand dermaßen zusammen, dass man unwillkürlich in die Knie gehen möchte. Besonders Frauen mit vielen Ringen an den Fingern wissen hiervon ein Lied zu singen. Dieser Mensch strahlt allein beim Händedruck die Dominanz eines Leithengstes aus. Widerspruch wird schon bei der Begrüßung unterdrückt.
Fragt sich nun, wie im Bereich der außenpolitischen Diplomatie ein solcher Händedruck gemessen und bewertet wird. Gerade bei politischen Treffen wird inzwischen geherzt und gescherzt. Doch diesmal wurde dem Händedruck von Bush und Schröder eine große Bedeutung zugemessen. Sensibel wurde beobachtet, wer wem zuerst die Hand entgegenstreckte. Nicht zu beobachten war die Intensität des Händedrucks. Weder Schröder noch Bush zeigten Anzeichen von schmerzverzerrten Gesichtszügen. Vielmehr setzten beide dieses typische Mediengrinsen auf. Politisch wird dieser Händedruck als Zeichen der Annäherung verstanden. Doch von welcher Annäherung die Rede ist, wird in den Medien nicht weiter berichtet. Nähert sich Schröder mit der bundesdeutschen Politik der amerikanischen Kriegspolitik an? Oder wird aus dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush ein Friedensengel, der nun auf den Friedensnobelpreis lauert? Schließlich besuchte sein Außenminister gleichzeitig den Papst und der geht allen Friedensinitiativen voran.
Wir wissen nicht, wie die politischen Folgen dieses doppelten beiderseitigen Händereichens innerhalb von zwei Tagen zu bewerten sind. Wären wir auf einem Bauern- oder Pferdemarkt, hätten wir sofort gesehen, dass keine Annäherung stattgefunden hat. Sie haben sich sonst nichts zu sagen und darüber täuscht auch kein Händedruck weg. Insofern zeigt ein Handschlag mehr als ein Vier-Augen-Gespräch.