12.02.: „Good bye, Lenin!“ als Unterrichtsstoff
„Good bye, Lenin!“ als Unterrichtsstoff
Geschichte in Wort und Bild
Der in Berlin angelaufene Film „Good Bye, Lenin!“ bekam im Vorfeld schon recht gute Kritiken und bei der Erstaufführung im Rahmen der Berlinale großen Beifall. Dabei wird eigentlich nichts Besonderes erzählt, keine bekannten Hollywood-Schauspieler sind am Film beteiligt und dennoch zeigt das verklärte Deutsch-Deutsch-Filmwerk seine nostalgische Wirkung. Mit verklärtem Blick ist die Rede von „Spreewaldgurken“ als Ostprodukt, von der selbstinszenierten „Aktuellen Kamera“ oder der „Kapitalflucht von BRD-Bürgern, die im Westen arbeitslos wurden“. Nun kann der Film sogar Unterrichtstoff werden, weil die Bundeszentrale für politische Bildung den Film als Teil der Medienerziehung mit einem Filmheft krönt.
Kurz vor der „Wende“ erleidet die Hauptdarstellerin einen Herzanfall und fällt ins Koma. Nach acht Monaten wacht sie überraschend wieder auf, jedoch könnte sich die geringste Aufregung als lebensbedrohlich auswirken. Nun ist guter Rat teuer, denn das Rad der Welt hat sich weitergedreht und selbst die bisherige Wohnung an der Frankfurter Allee wurde inzwischen verwestlicht. Kurzum, die Kinder möblieren wieder um und geben den 79 Quadratmetern Plattenbau einen sozialistischen Rahmen, um der Mutter Kerner ein Weiterleben wie gewohnt zu ermöglichen. Hier lebt ebenso die Aktuelle Kamera als Hauptnachrichtenquelle der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik wieder auf. Selbst Erich Honecker, der längst abgedankt hat, muss wieder belebt werden.
Die Marke Coca Cola – zufällig als Werbebanner auf einer Hauswand gesehen - muss demzufolge als sozialistisches Produkt herhalten. Per Fernsehnachricht wird verkündet, dass die DDR im Besitz des Patentes sei. Doch bald wird es brenzlig, denn die Mutter stolpert auf der Straße in ein westlich angehauchtes Ambiente. Noch einmal muss die privat inszenierte „Aktuelle Kamera“ ein Erklärungsmuster liefern: Die BRD-Bürger, die in DDR-Botschaften in Prag und Budapest flüchteten, durften in die DDR einreisen. „Arbeitslosigkeit, mangelnde Zukunftsaussichten und die zunehmenden Wahlerfolge der neonazistischen Republikaner haben die deutlich verunsicherten BRD-Bürger in den letzten Monaten dazu bewogen, dem Kapitalismus den Rücken zu kehren und einen Neuanfang im Arbeiter- und Bauernstaat zu versuchen.“ Doch als die Mutter - die natürlich mal wieder alles glaubte - den Neubürgern die Familiendatscha überlassen möchte, wird es Zeit, ihr reinen Wein einzuschenken.
Der Film soll dazu anregen, die Problemstellung der jüngsten deutschen Geschichte anhand der Familie Kerner zu reflektieren. Ironisch werden die Ereignisse erzählt, die ein Nachdenken über einen möglichen anderen Geschichtsverlauf bewirken können. Das zumindest sind die edlen Ziele dieses Filmes, jedoch zeigt sich schnell, dass die Vergangenheitsbewältigung sich kaum dazu verleiten lässt, sich eine andere Entwicklung vorstellen zu wollen. Coca Cola ist eben nicht nur ein Getränk, es ist auch ein Lebensgefühl. Genauso verhält es sich mit den Spreewaldgurken, die mögen geschmacklich von spanischen Gurken ersetzt werden, haben jedoch etwas mit Ostalgie zu tun. Davon lebt inzwischen selbst ein Internetversand.
Im Begleitheft geht es für Schüler bereits auf Seite 12 zum Ernst des Lebens zurück. Wer mit der Schulklasse ins Kino gehen darf, soll hinterher auch etwas leisten. Zum Beispiel zum 7. Oktober 1989: „Welches Ereignis wird in dem Film gefeiert? Welche politischen Ereignisse fanden an diesem Tag gleichzeitig statt? Welche Positionen werden gezeigt?“ Solche vertiefenden Fragen sind im Rahmen der Medienkompetenzvermittlung natürlich notwendig. Da das gedruckte Filmbegleitheft längst vergriffen ist, kann sich der geneigte Lehrer auch die PDF-Datei aus dem Netz ziehen. Jedoch sollte er nicht damit rechnen, einzelne Passagen aus dem Text in eigene Fragebögen kopieren zu können. Soweit geht die Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung wieder nicht, schließlich wurde im Arbeiter- und Bauernstaat auch alles noch mit der Hand geschrieben.
Anmerkung: Am 7. Oktober wurde der 40. Jahrestag der DDR gefeiert und zeitgleich kam es am Abend in vielen großen Städten zu Demonstrationen für Reformen.