23.01.: Kriegswahrscheinlichkeit bei 70 Prozent
Kriegswahrscheinlichkeit bei 70 Prozent
Das Saddameter
Täglich nimmt die Bedrohung eines Irakfeldzuges zu. Kaum vergeht ein Tag, an dem der amerikanische Präsident nicht die Drohung eines Krieges unterstreicht und noch mehr einsatzbereite Militärkräfte in der Golfregion zusammenzieht. Die gemäßigten Töne und die Anzeichen, die gegen eine kriegerische Handlung und den Sturz des irakischen Regimes sprechen, sind weniger geworden. Das renommierte US-Onlinemagazin „slade.com“ misst diese Kriegswahrscheinlichkeit mit einem Kriegsbarometer – einem „Saddameter“.
Kann man die Wahrscheinlichkeit eines Krieges mit objektiven Messmethoden erfassen? Das amerikanische Onlinemagazin „slade.com“ versucht es und bewertet seit dem 18. November die Anzeichen, die für und gegen die Kriegswahrscheinlichkeit mit dem Irak sprechen. Täglich können die Leser nachsehen, wie sich die „gefühlte“ Kriegswahrscheinlichkeit auf dem Saddameter niederschlägt. So versuchen die Redakteure abzuwägen, wie sich das Klima der politischen Äußerungen verändert oder welche konkreten Maßnahmen zur Vorbereitung eines Feldzuges unternommen wurden. In den letzten Wochen wurden Tausende von amerikanischen Reservisten einberufen. Auch der britische Premierminister Blair zeigt mit seiner Mobilisierung, dass es wohl zu einer kriegerischen Auseinandersetzung kommen wird. Die Uno rechnet mit bis zu 500.000 Toten in den ersten Tagen des Straffeldzuges.
Lediglich der deutsche Bundeskanzler und der französische Staatspräsident vertreten öffentlich die Auffassung, dass in den Irak nur mit einem Uno-Mandat eingerückt werden dürfe. Jedoch nimmt Bundeskanzler Gerhard Schröder von einer konkreten öffentlichen Festlegung Abstand, ob sich deutsche Soldaten an einer UN-Mission beteiligen würden. Lediglich Außenminister Joschka Fischer deutete an, dass eine deutsche Zustimmung im UN-Sicherheitsrat möglich sei. Während die deutschen Politiker einen eher rhetorischen Eiertanz aufführen, weil Anfang Februar in Niedersachsen und Hessen noch Wahlen sind, scheint der Kriegsbeginn bereits auf den 21. Februar datiert zu sein. Die aggressive Rhetorik der amerikanischen und britischen Kriegspartner zumindest lässt das Kriegsbarometer täglich steigen. Während die Kriegswahrscheinlichkeit am 6. Dezember auf etwa 50 Prozent eingeschätzt wurde, ist der Pegel inzwischen auf fast 70 Prozent geklettert.