24.03.: Kinder und ihre Kriegsängste

Während viele Menschen aus der Eltern- und insbesondere der Großelterngeneration versuchen, das aktuelle Kriegsgeschehen im Irak rational zu verarbeiten und sich aus den aktuellen Nachrichten mit Informationen versorgen, bleiben Kinder mit ihren Sorgen und Ängsten nicht selten sich selbst überlassen. Zeigen sich die direkten Vorbilder ängstlich und stark besorgt, können sich diese Stimmungen bei Kindern immens verstärken. Auch wenn der Krieg noch so weit weg ist vom Heimatort, so brauchen Kindern dennoch Orientierung.


Rund um die Uhr laufen die Nachrichten und Bilder über das aktuelle Kriegsgeschehen im Irak auf allen Fernsehkanälen. Dem Zuschauer wird suggeriert, dass man durch die fortlaufende Berichterstattung nichts versäumen könne und immer über das aktuelle Geschehen informiert werde. Trotz nüchterner Kommentare vermittelt dieser Medienumgang dem Zuschauer ein Bild, live dabei zu sein. Für Kinder können sich diese Berichte und Fernsehbilder zu einem Informationsberg aufbauen, den sie nicht in der gesamten Komplexität erfassen. So können sich schnell diffuse Ängste aufbauen, die zu einem Trauma führen können, wenn sie nicht thematisiert werden.


Krieg muss auch mit Kindern thematisiert werden
Das Thema Krieg wird in den Familien oft gemieden, weil Eltern die Befürchtung haben, die Ängste der Kinder zu vergrößern. Doch gerade jetzt noch zu Beginn dieses Krieges ist es besonders wichtig, sich mit den Kindern gemeinsam zu informieren und die Geschehnisse zu besprechen und zu bewerten. Je mehr Opfer bekannt werden und Propagandabilder von Verletzten über die Fernseher flimmern, umso mehr können sich vorhandene kindliche Ängste verstärken. Deshalb gilt es, den Kindern jetzt klare und deutliche Einschätzungen zu vermitteln. Nur informierte Kinder sind stark und können sich am sachlichen Vorbild der Eltern orientieren.


Eigene Gefühle und Einstellungen nicht verleugnen
Kinder haben ein Gespür dafür, wenn ihnen nur eine halbherzige Antwort gegeben wird. Von daher dürfen Eltern auch über ihre eigenen Ängste und Einstellungen zum Krieg sprechen. Selbst wenn sie Befürworter dieses Irak-Feldzuges sind, dürfen sie ihre Ansicht nicht verbergen. Pazifisten sollten sich um den Kern einer Friedenserziehung bemühen und sich nicht im Aufbau von neuen amerikanischen Feindbildern verlieren. Eigene Gefühle dürfen nicht verleugnet werden, denn Kinder merken auch, wenn Eltern herum drucksen oder unehrlich sind. Selbst Unsicherheiten dürfen von Eltern zugegeben werden, doch sollte man sich immer um eine Versachlichung bemühen.

Eigene Schreckensszenarien, zum Beispiel eine mögliche erhöhte Terrorgefahr, sollten sie im Gespräch mit den Kindern ausklammern. Gefühle von Kindern sollten immer ernst genommen werden und bedürfen der dosierten Thematisierung. Wenn ein Kind ein Gesprächbedürfnis signalisiert, sollten sich Eltern unbedingt Zeit nehmen. Der Fernseher darf dabei ruhig abgeschaltet bleiben, um sich wirklich auf das Gesagte zu konzentrieren. Viele Eltern wissen nicht, was ihre Kinder über diesen Krieg und dessen Folgen wissen und empfinden, es könne nicht schaden, sich davon ein Bild zu verschaffen und ggf. das Bild zu relativieren. Es sollte sich jedoch nie um eine aufgesetzte Diskussion handeln. Um vorhandene Ängste nicht zu verstärken, sollte der Dauerberieselung durch die Medien auch Einhalt geboten werden. Es reicht, sich ein- bis zweimal am Tag gemeinsam mit den Kindern in den Hauptnachrichtensendungen zu informieren. Weder Eltern noch Kinder verpassen etwas, wenn die Glotze schwarz bleibt.